Interview mit den Österreichern von MILLS

Österreich – das Land der Berge und der Täler und der Kaffeehäuser, Heimat von großen Künstlern wie Amadeus Mozart, Falco oder Fussballgott Hans Krankl , ist nun auch auf musikalischen Boden ein Land des Genußes geworden, nämlich in unserem Falle durch die Dark Elektro und Dark Gothrock Formation MILLS mit den beiden Protagonisten Walter Glatz und Alexander Steiner. Die neue Platte „Monochrome“ hat mich schwer begeistert, da die dort produzierten 80er/90er Alternativ Elektro – Rocksounds genau den Nerv von Anhängern der Bands wie Depeche Mode, In my Rosery, Trust, IAMX, Forced to Mode, Chvrches, Archive, Holygram usw. erinnert. Auch das Video zum Track „A Little More“ weiß zu begeistern. Ich denke und hoffe da kommt was ganz Großes auf uns zu, würde es der Gruppe auf jeden Fall sehr gönnen. Die beiden – Alex und Walter – haben sich den Fragen vom Blackmagazin gestellt und hier sind nun ihre aufschlußreichen und interessanten Antworten.

Hallo Walter und Alexander, vielen Dank erst einmal für die großartige CD, die mich von der Soundausrichtung her sofort an die golden 80/90iger Jahre und damit verbunden an die Chameleons, aber auch an ähnlich artverwandte Bands wie Convent, White Rose Transmission, The Comsat Angels, And also the Trees, Peter Hook and the Light, The Sound
usw. erinnert hat. Daher die Frage vorab wie Ihr Euch gefunden habt und seit wann ihr zusammen solch grandiose Elektro – Rockklänge produziert ?

MILLS:  Zuerst einmal ein grosses Danke für das Interesse an unserer Musik. Alex und Ich (Walter) kennen uns seit 1993.Wir trafen uns auf der Uni, da wir beide Psychologie studierten. Unser Hauptthema war aber eigentlich Musik, Alex erzählte mir, er spiele Gitarre. Ich schrieb schon damals Texte in Gedichtform, auch ein Bühnenstück war dabei. Somit kam eines zum anderen und wir gründeten einfach mal schnell eine Band zu zweit. Später kam noch ein Freund von mir dazu, der ein Keyboard hatte. Das waren unsere ersten Gehversuche.

Wie kam es zu Eurem Bandnamen – Mills – wer hatte hier die Idee für die Namensgebung und warum eigentlich – Mills ?

MILLS: Unser Bandname entstand bei einer Reise nach Hollland. Wir saßen dort damals noch zu dritt am Strand und sinnierten über einen passenden Namen. Nach langem hin und her und unzähligem Vorschlägen landeten wir bei typischen holländischen Sachen. Und da es in Holland viele Mühlen gibt, die auf Englisch Mills heissen, zwei aus der Band aus einem Ort mit dem Namen Mills kommen(wohlgemerkt mit einem L), stand die Idee plötzlich fest…und zurückblickend kann man ja sagen, dass Mühlen langsam mahlen…und unsere Band gibt es jetzt 20 Jahre…..also im Nachhinein ein gutes Motto.

Wer macht bei Euch das Coverartwork der Platten / CDs ?

WALTER: Schon auf unserer letzten CD „Alienation“ kam das Artwork von meiner Frau, die in ihrer Freizeit malt und zeichnet. Das Cover von unserer neuen CD „Monochrome“ war ein Zufall. Ich fand die Zeichnungen dazu im Altpapier, meine Frau wollte sie eigentlich wegwerfen, weil die Skizzen ihr nicht gefallen haben.
Wie seid Ihr in das breite Licht der musikalischen Öffentlichkeit getreten, will sagen, wo waren die ersten Auftritte ?

MILLS: Unseren ersten Auftritt hatten wir als Mitternachtseinlage auf einem ländlichen Ball, ich glaub das war 1995.Unser Keyboarder verklickerte dem Veranstalter, dass wir Beatles Songs spielen. Wahrlich hatten wir wirklich irgendwann mal „Imagine“ von John Lennon in unserem Programm, aber auf unsere Weise interpretiert. So standen wir dann um Mitternacht inmitten von Tombolapreisen auf einer Bühne die aussah wie bei einem Kasperletheater und spielten aber nicht Beatles, sondern unseren Sound…..die Verwunderung unter dem Publikum war ziemlich gross, denn diese Klänge hatten sie nicht erwartet……(wir wurden übrigens nicht noch einmal eingeladen……..?). Der erste wirklich grosse Gig war 1997 im Utopia in Innsbruck. Dort haben wir im Nachhinein ziemlich kompromisslos musiziert, es waren zwei Rockbands dabei, wir spielten als einzige Gruppe mit Drumcomputer und mit ziemlicenh Industrial Sounds, also wieder ein Kontrapunkt im ganzen Programm.

Habt Ihr irgendeine musikalische Ausbildung genossen ?

WALTER: Ich für meinen Teil hab kein Instrument gelernt, somit blieb mir das Singen über. Später kam ein bisschen Schlagzeug dazu, was aber beim blutigen Anfänger geblieben ist. Musik war  immer Leidenschaft von mir und als später dann Texte dazukamen, wollte ich sie natürlich auch irgendwie präsentieren.
ALEX: ich habe eine klassische Ausbildung auf der Violine und einige Jahre in einem Orchester gespielt. Ich wollte aber einen anderen musikalischen Weg beschreiten, legte mir eine E -Gitarre zu und habe mir das Ganze dann selbst beigebracht.

Welche musikalischen Einflüsse sind bei Euch am wichtigsten, gibt es Vorbilder, wie seht Ihr Eure musikalische Ausrichtung und woher bekommt ihr Eure Inspiration und Motivation ?

Walter: Das oder die grossen Vorbildern hab ich nicht, es ist bei mir ein Sammelsurium an Künstlern. Ein Mix von der Bühnenpräsenz und dem Gesamtkunstwerk von Rammstein, die unglaublich vielfältigen Seiten von Bowie, einzelne Songs von The Doors, die Komplexität und Sounds von Archive und noch einige andere….

Alex: The Cure ,Joy Division, Archive, Depeche Mode, Velvet Underground und David Bowie. Aus diesem Pool stammt sicher viel Inspiration.

Mit welchen Künstlern der Szene außerhalb versteht Ihr Euch am Besten ?

Letztes Jahr trafen wir Alienare, mit denen wir uns sehr gut verstanden und eine gute Zeit verbrachten. Wir hatten auch das Vergnügen mit Christine plays Viola in Wien zu spielen, die Jungs waren auch alle sehr in Ordnung!

Wie werden die Songs bei Euch im Arbeitsprozeß / im Studio  aufgenommen, z.b. das fantastische neue und letzte Album – Monochrome –  gibt es da ein
bestimmtes Konzept für, wer macht die Texte z.b. und woher nehmt Ihr Eure musikalischen Themen, wie sieht Eure Produktionsumgebung technisch so aus ?

WALTER: Grundsätzlich ist Alex die Musik, er bringt fast fertige Songs in den Proberaum. Ich überleg mir dann dazu Gesangsmelodien und Texte, manchmal passen wir dann noch die Musik an. Oft kommen in diesem Prozesss noch Ergänzungen dazu, Drumfills, Synthieflächen und andere gemeinsame Ideen. Ist der Song fertig(ist er eigentlich bei uns fast nie?),kommt es zur“ Liveprobe“, mag heissen, wir testen ob er live wie gut klingt, wie das Gefühl dabei ist. Das war und ist uns immer sehr wichtig. „Monochrome“ haben wir in kompletter Eigenregie aufgenommen in unserem Proberaum. Technisch gesehen war ein PC ,Alex und ich daran beteiligt. Also alles im „Do It Yourselfverfahren“.

Was sagt Ihr zu dem „Kavaliersdeleikt“ –  der CD Piraterie  – wenn also Songs von Musikern von irgendwelchen Seiten illegal heruntergeladen werden
oder ist es gerade auch für Gruppen wie Mills ein Vorteil, um bekannter zu werden ?

MILLS: Wir sind da zwiegespalten. Derzeit sehen wir es für uns als Vorteil, um mehr Hörer zu erreichen. Würden aber die Verkaufszahlen unserer CDs rapide steigen, steigt natürlich auch unser Aufwand. Ab einem bestimmten Level an Bekanntheit helfen diese Downloads nicht mehr, sie schaden mehr. Die Folgen sieht man ja in der Branche.

Und was sagt Ihr zum leidigen Thema – mehr Radioeinsätze – von z.b. der Musik, wie ihr sie zelebriert, wie kann man solchen Sounds wieder zu mehr Radioeinsätzen verhelfen, wie ist das in Österreich ?

MILLS: Durch Webradio gibt es immer mehr Angebot und die Leute werden zunehmend auf diesen Zug aufspringen. Ich glaube, dass diese Art Radio die Zukunft ist, nicht mehr unbedingt das Radio im klassischen Sinn. Trotzdem würden wir uns natürlich über mehr Aufmerksamkeit gerade in Österreich freuen, aber da ist die Radiolandschaft schwierig zu erobern.
Wie steht Ihr zur wieder aufflammenden Liebe der Vinylkultur, ist die CD demnächst ein aussterbendes Medium  und ist die Zukunft tatsächlich der digitale Megatrend – das Streaming ( Bandcamp und Co. ) ?

MILLS: Streaming ist sicherlich eine grosse Zukunftsaktie, solange es legal geschieht und jeder was daran verdient. Andererseits ist schwierig vorauszusagen, was kommt, was geht, was bleibt…wer hätte vor einigen Jahren ein Revival von Vinyl vermutet? Und ob die CD ausstirbt, ob sie dann in ein paar Jahren wieder kommt, wer kann das schon sagen….

Wie sieht es mit Videos aus, ist Euch das wichtig in Audiovisuellen Zeiten so etwas für eure Songs zu produzieren ?

MILLS: Videos sind für uns sehr wichtig, als eigenes Ausdrucksmittel fur die Musik. Wir haben zwei Videos produziert fürs neue Album, das erste für die Single „..A little More“ ist ja schon draussen…in absehbarer Zeit folgt noch das Video zu „New World“..bin gespannt, was Ihr dazu meint.

Habt Ihr schon viele  Auftritte im Ausland absolviert, wo war es am besten und wonach plant Ihr Eure Konzerte ?

MILLS: 2016 spielten wir mit Alienare ein paar Gigs in Deutschland, die uns sehr viel Spass gemacht haben. Wo es am besten war, kann man nicht so pauschal beurteilen, weil es immer bei jedem Gig Highlights gab. Einmal ist das Publikum schnell spürbar, anderenorts ist es distanzierter und hört einfach zu..beides ist spannend von der Bühne aus zu erleben. Für uns  ist es nach dem Konzert wichtig, wenn die Gäste den Kontakt, den Austausch und ein Gespräch suchen…da kann man oft viel erfahren und einiges lernen.
Da unsere Zeit beruflich bedingt begrenzt ist, suchen wir uns eine gemeinsame freie Zeit aus und versuchen über unsere Managerin Claudia „Musicfairy“Rossner Poniz und unserem Label Kl Dark Records mit Renè Kuttlern in  dieser Zeit Gigs zu organisieren.Und dafür gebührt beiden ein grosser Dank.

Was sind Eure – All Time Heroes – im heimischen Plattenregal ?

WALTER: Ich habe immer so Phasen, wo ich für eine bestimmte Zeit quasi nur auf einen Interpreten bzw. Band eingeschosssen bin. Ganz früher Jean Michel Jarre, später The Doors, danach kamen Metallica dazu..in letzter Zeit waren Muse und Rammstein aktuell. Prägend war noch David Bowies „Outside“ Album, damals hab ich die CD in ihrer Gesamtheit unzählige Male verschlungen, weil sie so unglaublich vielschichtig für mich war…ich war mit Alex auch in Zürch zu dieser Zeit auf dem Konzertund das war unglaublich beeindruckend, vor allem die Dichte an Musikern um David Bowie, jeder für sich genial und trotzdem eine Einheit. Und das Vorprogramm ist auch erwähnenswert, da spazierten drei junge Musiker auf die Bühne und legten los und föhnten mal kurz alles weg. Nach dem ersten Song eine kurze Begrüssung mit den Worten „Thank you,we are Placebo“??… Hat damals keiner gekannt die Band!

ALEX: Ich sehe das ziemlich gleich mit den unterschiedlichen Phasen, aber zusätzlich kommen noch von The Cure „Concert“ und Bowies“ – Heroes“ dazu in meiner Bestenliste.
Famous last Words – Was möchtet Ihr in naher oder ferner Zukunft mit Eurem Projekt Mills noch ereichen ?

MILLS: Weiter Musik machen, Songs schreiben, die uns und unseren Hören etwas bedeuten,…einfach bei vielen Menschen Spuren hinterlassen mit unserer Musik…vielen Dank.

(Sven Erichsen)

 

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