GlerAkur – The Mountains Are Beautiful Now (CD)

Hinter diesem Projekt steckt der Isländische Komponist und Sounddesigner Elvar Geir Saevarsson, der mal eben so nebenbei Tontechniker am Isländischen Staatstheater ist.Schon spannend mit welchen Vergleichen international z.B der amerikanische Rolling Stone von „auf brutale Weise unwiderstehlich“ und Metallica, die die Live-Hälfte von Pink Floyd´s „ummagumma“ covern spricht. Naja das zeigt schon bisschen die Bandbreite auf und trifft es aber irgendwie doch nicht. Glerakur sind durch und durch nordisch, sehr atmosphärisch, Soundtrack-artig(der Einfluss bei dem Background als Tontechniker am Theater war wohl unvermeidlich)…ja doch verschroben isländisch, natürlich auf eine positive Weise gemeint. Beim ersten Hören spät Abends entstand sofort Sogwirkung, spielt der Isländer sehr intensiv mit hypnotischen Sound-Fragmenten, welche mit völlig unterschiedlichen Stilmitteln erzeugt werden. Der Opener „Augin opin“ geleitet mit akustischen Gitarren zu Score-ähnlichen Ambient-Sounds den Hörer sanft hinein in dieses eigenwillige nordische Klangpanorama. Nach ca. 4 Minuten zerfällt der 8-Minüter zu einer wunderschönen dronigen Soundtrack-Lawine. Es gesellen sich dichte schleifende doomige Gitarren hinzu…sehr hypnotisch. Es folgt mit „can´t wait“ der Song der bereits als EP im Vorjahr für Aufsehen und sogar eine Nominierung für den in Island sehr wichtigen Kraumur Award sorgte(alljährlich durch Journalisten und Moderatoren vergebene Auszeichnung für die besten Veröffentlichungen Islands).Eingespielt wurde das Album mit vier Gitarristen und 2 Drummern, gut nachzufühlen beim eben benannten Stück, was gerade durch seine kraftvolle metallische Schwere begeistert, massiv wie Fels und Eis, psychedelisch und endlos monoton über 9 Minuten.„The Mountains are beautiful now“ wurde ursprünglich für die 2015 entstandene Aufführung von J. Sigurjonssons Drama „Fjalla-Eyvindur&Halla“ geschrieben und davon inspiriert. Ein Stück was bereits 1911 erstmalig aufgeführt wurde und zum isländischen Kulturgut zählt. Die herkulische Handlung des Dramas ist die perfekte Entsprechung zum donnernden, himmelsstürmenden Klangbild von GlerAkur, was im übrigen im deutschen für Glasfeld steht. GlerAkur ist über Albumlänge in ständiger Ambivalenz. Auf der einen Seite diese sehr monolithischen, fast schon noisig, orchestralen Industrial lastigen Slowmotion-Doom Parts wie in „can wait“ oder „fagurt er a fjöllum nuna“ welche sich wie eine massive Gletscher-Wand monoton, aber sehr hypnotisch kraftvoll über den Hörer herfallen, und dazu im grossen Kontrast die 2 sehr schönen Rausschmeisser „Hallalone“ und vor allem „strings“ der mit 15 Minuten doch sehr epische Ausmaße annimmt. Hier stehen die Landsleute von Sigur Ros und auch der Filmkomponist Hilmar Örn Hilmarsson musikalisch Pate, schafft man doch auf ähnliche Weise, mit behutsamen, verträumten Sounds, unwirklichen ergreifenden nordischen Melodien den Hörer zu verzaubern. Diese sehr feierliche Atmosphäre, welche bereits durch viele tolle Indie-Film Dramen aus Island wie z.B. „Angels of the Universe“ ein wesentlicher Bestandteil zur Unterfütterung der traurigen Geschichten diente, erlebt hier ihr Comeback und gerade das endlos lange“ Strings“ hat durch seine hallenden Drum-Schläge und der verwehten traurigen Melodie, die sich durch den ganzen Song zieht, ein hoffnungslos melancholisches Flair und erinnert an den tollen Sigur Ros Song „bium bium Bambalo“. Hier ist man aktuellen Postrock-Grössen durch die stetige Steigerung, der Dynamik-Intensivierung von Minute zu Minute sehr nahe. Perfekter Rausschmeißer allemal. Auf Albumlänge werden Postrock-Elemente,Soundtrack, Dark Electronica, Doom Metal und Folk auf sehr spezielle Weise zu einem Score verwoben, der durch und durch nordisch klingt, kleine Referenzen an die Norweger Ulver(mittlere Phase der Band) aber auch die genialen Industrial-Metal Götter von Red Harvest, viel Sigur Ros und ähnliche Vertreter der dunklen nordischen Zunft…letztlich aber nur Referenzpunkte. Am Ende steht ein künstlerisch mal wieder sehr wertvolles Produkt aus dem Hause Prophecy-eigenwillig und nordisch atmosphärisch für Freunde dunkler Klänge allemal empfehlenswert.

(R.Bärs)

Format: CD
 

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