VÖLUR – Ancestors (CD)

Völur aus Toronto veröffentlichen ihren ersten vollständigen Longplayer auf Prophecy Productions. Wurde das Qualitäts-Label 2014 auf die in Eigenregie veröffentlichte Ep „disir“ aufmerksam und brachte diese dann erneut offiziell an die interessierte Hörerschar, so ist nun der Nachfolger „ancestors“ in den Startlöchern. Widmete man sich auf der Debüt-Ep den weiblichen Urgeistern, der nordischen bzw. germanischen Mythologie entlehnt, so sind es diesmal die männlichen Urahnen, denen man Tribut in langen epischen Songs zollt. Die Band um Bassist Lucas Gadke (Blood Ceremony), der Violinistin Laura C.Bates und Drummer J. Payment (Do make they think) produzierte diese neue Platte selbst und liess sie lediglich von C.Spearin (Broken Social Scene) abmischen. Völur vertiefen ihren musikalischen Ansatz weiterhin, das Fundament aus lupenreinen Doom-Metal wird durch einen für Prophecy-Bands typischen, sehr individuellen Ansatz/Ausdruck verfeinert, der hier im besonderen Augenmerk auf das Melodie-führende Violinenspiel und den sehr eigenwilligen, schön in den Vordergrund produzierten Bass fokussiert wird. Ancestors=Atmosphäre , das ist das Stichwort. 4 Songs mit Längen bis zu 15min…das allein sagt erstmal nichts, schaffen jedoch Völur schon mit dem sehr leidenschaftlichen Opener „breaker of silence“ den Hörer sofort in ihren Bann zu ziehen. Ambiente Choräle, ein extrem prägnanter Basslauf, schwere akzentuierte Drums, ein sich stetig steigerndes Spiel..flirrende Violinen, drückende schwere Grooves-heroische Background-Vocals. Klingt nach Wald,Wipfel, Forst, Einsamkeit…alter Welt. Völur führen mit ihrem Sound den Hörer zu alten verlassenen Plätzen unserer Urväter, Lichtungen fernab der Zivilisation. Besonders das emotionale Violinen und Bassspiel vollführt doch kleine Wunder, ist man bereit sich darauf einzulassen. Man pendelt zwischen fordernden, teils schrägem Spiel zu immer wieder stillen, fragilen Momenten, in denen man das Laub auf umbetretenen Pfaden förmlich riechen kann. Zeitgemässe sludgige Töne wie im z.Teil bewusst dissonanten „breaker of skulls“ markieren eine Doom-Band, die im Hier und Jetzt musiziert, die die Balance zwischen aktuellen Postrock-Elementen (Crippled Black Phoenix, Godspeed you Black Emperor, The Dirty Three) und Chamber-Avantgarde Projekten wie Amber Asylum nahelegt…das aber eher als Referenz verstehend. Dafür ist der Sound zu heavy, monoton, gar manchmal versetzt mit spitzen growligen Gesang ( Sludge/Black/Extreme Metal ). Man speist mit viel Monotonie, dem richtigen Gefühl für Steigerung,Dynamik, Schicht um Schicht eine hypnotische Atmosphäre, die bei Bereitschaft des Hörers diesen mit Bildern flutet…die weit weit vor unserer Zeit ihren Ursprung finden. Rituelle in den Band-Sound integrierte Choräle/Gesänge, welche nicht perfekt, aber sympathisch urwüchsig erklingen, schaffen diesen alten, folkloristischen Klang, der umgeben von Dunkelheit seine Sogwirkung nicht verfehlt. Das Tempo bleibt bis auf immer mal dezent schwere Double-Bass stoisch schleppend, verharrt gern mal in komplett entrückten Ambient-Progrock-rituellem Folk, nur um sich immer wieder aufbäumend durchs Dickicht mit wirren Geigenspiel zu jedem Songende hin zu steigern. Kleiner Wermutstropfen sind die eher dürftigen Black-Metal-liken Parts in „breaker of famine“ und „breaker of oath“, wo für kurze Momente irgendwie dünn nach vorne geholpert wird-dies aber eher in kleinen Auszügen-bleibt dieses Album doch eher im instrumentalen Gefilden.
Geige und Bass haben bei den Kanadiern definitiv Alleinstellungsmerkmal-zelebrieren sie die stillen und kraftvollen Momente auf jeweils leidenschaftlich entrückte oder auch schräge, dissonante Art und Weise. Melodisch, bisweilen avantgardistisch, aber zu jeder Sekunde atmosphärisch macht dies diese Platte zu einem Kleinod zwischen Doom, Sludge, Folk, Post-und Progrock. Eine gewisse Toleranz bzw. Begeisterungsfähigkeit für Monotonie und extremeres Violinenspiel und generelle Offenheit für verschiedene Stilistiken vorausgesetzt natürlich. Für den offenen Doom-Head und Freund dunkler Genre-überschreitender Sounds eine Empfehlung. Ja irgendwie also am Ende doch wieder eine fast „typische“ Prophecy-Prod. Veröffentlichung.

(R.Bärs)

Format: CD
Vertrieb: Prophecy (Label)
 

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