YANN TIERSEN – Eusa (2LP/CD)

YannTiersen_Eusa_PackshotYann Tiersen wird für immer und ewig mit dem Soundtrack zu den Film „Die wunderbare Welt der Amelie“ assoziiert werden, welcher seit dem gleichzeitig auch als klingende Visitenkarte von Paris herhalten muss. Nach eigener Aussage hasst Yann Tiersen aber diese Stadt, die inzwischen ein warnendes Beispiel für den kulturellen Schmelztiegel aus nordafrikanischer Migranten mit sogenannten No Go-Areas ist und dieses Schicksal bald wohl auch anderen europäischen Metropolen blüht. Dafür liebt der in Brest geborene Musiker seine Wahlheimat Quessant, was eine kleine Insel an der bretonischen Küste ist, wo er fern von jedem urbanen Trubel zurückgezogen lebt. Die Gutmenschen-Musikjournaille wittert bei dieser Ausgangslage natürlich gleich Nationalismus und wie wir natürlich im postfaktischen Zeitalter gelernt haben, ist es da nicht mehr weit bis zum Faschismus… Schon sein letztes Album „Infinity“ hatte dieses karg-idyllische Fleckchen Erde zum Ausgangspunkt und jetzt rund zwei Jahre später kehrt er mit „Eusa“ musikalisch wie geografisch dorthin wieder zurück. Die insgesamt 18 Stücke auf „Eusa“ (bretonisch für Quessant) sind alle nach Orten auf der Insel benannt und auch Fieldrecordings von dort bzw. daraus entstandene Drones kommen hier zum Einsatz. Im Gegensatz zum eher oppulenten „Infinity“ ist „Eusa“ allerdings absolut minimal instrumentiert und beschränkt sich im Grunde nur auf das Solo-Piano von Yann Tiersen. Mit dieser reduzierten Form der Komposition passt er sich jedoch äußerst gelungen an die Atmosphäre und das Klima der Insel an – mal rau, mal verträumt oder düster und dann wieder regelrecht elegisch fängt er die einsame Stimmung auf Quessant grandios ein. Die 10 zutiefst melancholischen Kompositionen werden dabei durch 8 Intros aus den bereits schon erwähnten Feld-Aufnahmen & Drones flankiert und am Anfang wie Ende des Albums stehen gesprochene Worte von Emilie Quinquis, welche ja auch schon auf „Infinity“ mitgewirkt hat. Ebenfalls wurde das Ganze vom Mute-Haus-Produzent Gareth Jones wieder gemischt, aber diesmal im legendären Abbey Road-Studio in London aufgenommen, welches ja für seinen warmen Klang berühmt ist. Mit „Eusa“ emanzipiert sich Yann Tiersen ein weites Mal gelungen von seinem erfolgreichen Soundtrack-Score und für mich steht er inzwischen in einer Linie mit ähnlich agierenden Musikern wie Max Richter, Nils Fram, Olafur Arnalds oder Federico Albanese. Ein überaus sympathischer Musiker mit einem intimen und vor allem unprätentiösen Werk, wie ich finde! (Marco Fiebag)

Format: 2LP/CD
Vertrieb: Mute Records / Good To Go
 

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