ARTIFICIAL MEMORY TRACE – Interception V (CDR)

artificialmemorytrace_interceptionVAm auffälligsten ist da der Hund. Ganz am Anfang, als Irritation; später als willkommener Freund. Herausgestanzt aus den Fieldrecordings und geloopt. „InterceptionV“ ist auf voller Länge, trotz des hier in der Beschreibung vielleicht ungewollt humoresk wirkenden Details feinsinnig transparent angelegt. Artificial Memory Trace nutzt Aufnahmen aus Porya Hatami sowie bekanntere und unbekanntere Echtsounds aus Natur und (elektronischer) Kultur (einer davon erinnert verdächtig an das Geräusch mancher mobiler Geräte beim Eintreffen einer SMS) und schafft es ein weiteres Mal, auf musikalische Weise eine geistige Vision einer spannenden Geschichte zu erzählen, ohne auch nur im geringsten Hinweise auf deren Plot zu geben. Erstaunlich genug, dass dies so gut funktioniert, fast noch erstaunlicher, dass es ohne massive Verdichtungen gelingt; Subtilität und ausgewogene Balance quasi allein das Bild beherrschen, um Spannung zu erzeugen. Auf diese Art, trotz der vielerlei Mikrosounds, fast minimalistisch angelegt. Dabei überschreitet „Interception V“ immer wieder die irgendwo lauernde Grenze zwischen einem Konstrukt aus „reinen“ Fieldrecordings und einer durch elektronische Sounds ergänzten Komposition. Und besonders in den Momenten, in denen Artificial Memory Trace diese elektronischen Komponenten betont, wird die Atmosphäre des Stücks, der atmosphärische Wechsel zwischen (vermeintlicher?) Dokumentation und Konstruktion fast augenblicklich spürbar, fast wie ein Eindringen von etwas Künstlichem in die Natur. Vielleicht ist es das, was die Geschichte von „Interception V“ erzählen will? Auf fast 80 Minuten. …sehr spannenden fast 80 Minuten.

(N)

Format: CDR
Vertrieb: Attenuation Circuit
 

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