PHANTOM WINTER – Sundown Pleasures (CD/LP)

600-190x190Das halbierte Würzburger Ex-OMEGA MASSIF-Kollektiv PHANTOM WINTER veröffentlicht dieser Tage ihr zweites Album „Sundown Pleasures“. Wer gerade seine Frau, seinen Job oder beide Beine verloren hat, oder im Allgemeinen morgens als Hobbymisanthroph aufwacht, muss diese Platte besitzen. Schließlich bekommt der geneigte Nihilist hier eine keifende Höllenorgie voll von schwarzer Galle, apokalyptischer Grundstimmung und auswegsloser Klaustrophobie, die in ihrem rauschhaften Wahnsinn beinahe schon süchtig macht. Es ist die fieseste, böseste und dunkelste Genre-Platte, die mir seit langer Zeit untergekommen ist. Kein Emo-Kindergeburtstag, sondern abgrundtief-sympathischer Hass in hochwertig auskomponierter Finsternis von Männern, die eure Väter sein könnten!

Bereits das Erstlingswerk „Cvlt“ hatte diesen großartigen Wall Of Sound aus schleppenden Doom-Parts, doppelten Schreien und komabrutaler Crust-Ästhetik. Jetzt setzt der Fünfer dem Ganzen noch eins drauf, indem sie ihre disharmonischen Songs bis zur Unkenntlichkeit auseinandernehmen. Bis auf den Hit der Platte „Bombing The Witches“ – das an ENVY-erinnernde und sicherlich eingängigste Stück im Gesamtkontext – sind die weiteren fünf Songs monolithische Klanggebilde, zu der eigentlich nur der Teufel höchstpersönlich seine Freude haben dürfte. Zum Glück gibt es da draußen aber noch ein paar Hobbyokkultisten, deren Herz bei monotonem Sludge-Doom erst so richtig aufblüht. Schließlich haben sich auch die großartigen artverwandten DOWNFALL OF GAIA auf ihren Nachfolgewerken größtenteils von der Melodiösität verabschiedet und zelebrieren mittlerweile eiskaltes Rauschen. Warum die Platte derart brutal ist, müsst ihr die Band auf ihrer Konzerten schon selbst fragen oder im BLACK-Interview mit der Band nachlesen.

Zum Glück hebt sich die Band nicht nur von Ästhetik und Auftreten von hippiesken oder farbenfrohen Hipstercore-Bands wie SUN WORSHIP oder DEAFHEAVEN ab. Satanische Texte und antichristliche Codes sucht man in den Texten dennoch vergebens, auch wenn damit kokettiert wird, dass man sich an norwegischen Black Metal entlehnt. Das „true norwegian black metal“ mittlerweile zur Marke verkommen ist, geschenkt, dennoch gibt das hier Minuspunkte. Auch die kryptischen Lyrics dürfen eher als symbolisches Grundgerüst für den ästhetischen therapeuthischen Live Abriss angesehen werden.

Stellt euch also eine versiffte Punkparty vor, während im Hintergrund okkulte Orgien gefeiert werden und Sänger Christian während der Performance eigentlich nur in der eigenen Katharsis in Flammen aufgehen möchte. Das ist Misanthropie in Formvollendung, schlichtweg fett produziert und von Golden Antenna Records in schöner Verpackung veredelt. Zweifellos eine der spannendsten deutschen Bands der Stunde.

Nicht zu verachten sind übrigens die beiden Musikvideos zu „Sundown Pleasures“ und „Bombing The Witches“, in der die bandeigene Atmosphäre von PHANTOM WINTER hevorragend audiovisuell umgesetzt wurde.

(D.Charistes)

Format: CD/LP
Vertrieb: GOLDEN ANTENNA
 

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