Ein feines Stück deutscher Klangakrobatik in Eigenproduktion erblickte schon vor einiger Zeit das Licht dieser undankbaren Welt. Die auf hundert Stück limitierte CD + Single der beiden Vollblutelektronikfrickler wurde bislang recht stiefmütterlich von der Musikpresse behandelt – negativer Höhepunkt dieser Behandlung war zweifelsohne die Rezension eines gewissen Maurice Summen im Intro, die nicht nur von absolutem Unwissen des Käseblattschreiberlings zeugte, sondern des weiteren der Noise-Musik ihre gesamte Intertextualität abschrieb. Da hat jemand den Zug verpasst. Um einige Jahre und Dimensionen. Egal, was kümmern wir uns um das Gewürm dieser Erde?!
Also sei nun den Kennern der Noise-/ Experimental-/ Ambient- und Atonal-Musik gesagt, dass es sich hier nicht um sinnlos zusammengewürfelte Geräusche handelt, sondern um eine Kollaboration mit vierzehn Stücken sowie zwei Stücken auf der Single, die es in sich hat. Hier geht es nicht unbedingt um „Hören mit Schmerzen“, sondern vielleicht – bei den meist ambienten Stücken von Tier Wolff (der angeblich wirklich so heißt! Scheint humorvolle Eltern zu haben, der Gute…) eher um tongewordene Traumbilder, die zum Wegfliegen einladen. Carsten Vollmer hingegen hat mit seiner selbst entwickelten Technik der „Cut+Go“-Remixe eine monotone, rhythmisch-autistische, oft an einen dahinratternden Zug erinnernde Antiwelt erschaffen, welche die Stumpfheit der Welt dort draußen widerspiegelt. Fast trotzig werden hier analoge Geräte eingesetzt, als würden wir noch im Industrie- und nicht im Informations-Zeitalter leben (wobei wir eigentlich im Kali Yuga leben, aber das ist ein anderes Thema…). So, wie Industrial einen Kommentar zur ersterwähnten Zeitepoche darstellt, so zeugt der Antimodernismus des Herrn Vollmer davon, dass diese Zeit – zumindest in seinem Heimatrevier Ruhrgebiet – noch lange nicht tot ist. Im Gegensatz zu Tier Wolffs Stücken haben die von Vollmer keine Titel, bzw. werden alle entweder „Arbeit Nummmer 15: Cut+Go=RMX 120108/T10“ oder „Arbeit Nummmer 15: Cut+Go=RMX 130108/T10“ genannt, was wahrscheinlich am Entstehungsdatum liegt. Dadurch, dass die Stücke der beiden Herren immer abwechselnd zu hören sind, entsteht eine merkwürdige Wechselwirkung, da die Stücke von Tier Wolff meist leichter zu verdauen sind und so gar nicht mit denen von Carsten Vollmer zusammenzupassen scheinen. Ein sicherlich gewollter Effekt, um das Zuhören nicht zu einfach zu gestalten. Völlig subjektive Anspieltips: Nr. 12 sowie Nr. 14 von Vollmer; „Autobahn“ und „Meerschaummelancholie“ von Wolff. Greifen sie zu, meine Damen und Herren, es könnte bald ein Krieg kommen… (F.S.)
Format: CD & 7" |
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