XABEC – Transformed (CD)

Als Konzeptalbum wurde das neue XABEC-Werk, oder vielmehr: das Remix-Album mit Anspruch angekündigt, für das der umtriebige Musikpädagoge Manuel Richter, der neben zahlreichen Remix-Releases auch an der Fertigstellung des jüngst erschienen Albums von ANNE CLARK (die auf Track 9 auch zu hören ist), mitgewirkt hat, seine Freunde und Musikkollegen (u.a. CONTAGIOUS ORGASM, AH CAMA-SOTZ, ALIO DIE, ORPHX) eingeladen hat, seine eigenen Stücke nicht nur zu remixen, sondern zu transformieren, so wie es der Titel dieser CD mit den Ergebnissen verspricht.

Die Vorlagen stammen mehrheitlich von der XABEC-CD “Using Unused Methods”, aber auch aus anderen Veröffentlichungen, und XABEC hat die beteiligten Künstler gebeten, sich in ihren Bearbeitungen von den bereitgestellten Sounds leiten zu lassen, nicht von kosmetisch-rekonstruktiven Remix-Gedanken. Herausgekommen ist ein vielseitiges, experimentierfreudiges Werk, das an ambientigen Versponnenheiten und akustischen Verschrobenheiten nicht arm ist. Da ich das Ausgangsmaterial nicht in den Originalfassungen kenne, kann ich nicht sagen, wie weit in Einzelfällen individuelle Bearbeitungen sich davon entfernen; gelegentlich wird dabei der individuelle Stempel eines Künstlers deutlich hörbar – wie etwa bei “Leaves” von ALIO DIE, oder man wird vom unerwarteten Stilspiel überrascht (siehe AH CAMA-SOTZ am Ende). Der Gesamteindruck des Albums ist der eines insgesamt eher ruhigen (wenn auch von einzelnen rhythmuslastigen Stücken durchbrochenen) Werks, dessen Strukturen und Feinheiten sich nicht sofort aufdrängen, sondern entdeckt und erobert werden wollen. Auf dieser Platte gibt es keine Discohits, die man beim kurzen Durchskippen oder probeweise Reinhören entdecken könnte – okay, bis auf “Säge” in der Bearbeitung von THE EMPATH vielleicht, das etwas aggressiver grummelt und klotzt, dabei aber der luftigen XABEC-Soundästhetik treu bleibt. Überhaupt spielt jeder Track auf seine Weise mit dem Thema der (Klang )Transformation; stets sind bearbeitete Geräuschsamples als Arabesken oder Stimmungssetzer eingewoben, wenn nicht sogar die Soundgewinnung selbst zum Grundthema wird, wie etwa bei den Transformationen von PATRICK FRANKE oder SCHACHTANLAGE GEGENORT, die fast ausschließlich aus Geräuschen bestehen. Klangkörper und Schwingungen werden erforscht; Materie (Klangkörper), Resonanzräume und Zahlen werden als Frequenzen hörbar gemacht. Im Titeltrack “Transformation” (bearbeitet von INCITE) schälen sich polyrhythmische Strukturen durch weite Räume voll dunkler Ecken und schwingender Kristallfäden, die in ihrer Perspektivität Tiefe erzeugen, in der man sich bewegen kann – nicht etwa zum Tanzen, sondern zum Schweben und Meditieren. So bewegt sich das Soundspektrum von “XABEC Transformed” zwischen handgemachter Geräuschgewinnung aus Metallschrott und Klangmüll über ambientige Space-Trips (wie das eingangs erwähnte Stück “If” mit ANNE CLARK im Intro, zu dem ATMOGAT einen eingängigen zweiten Teil gebaut hat) bis hin zum easy-listening des letzten Stücks, “Open state”, an dem AH CAMA-SOTZ nur wenig veränderten, das auch erstaunlich entspannt zu Werke geht und – zumindest bei mir – angenehme, aber teils auch sorgenvolle Erinnerungen an ein ehemals sehr gehaltvolles Projekt namens DELERIUM und dessen zunehmende Versumpfung in dümmlichen Schönklängen wachrief. Von solcher Flachheit ist “Transformed” jedoch frei, und auch das Finalstück ist wohl als Abschluss und Glanzpunkt zu verstehen, eine fast naturalistische Kombination aus tropisch anmutenden Ethno-Samples und gedämpften Café-del-Mar-Trompeten, das den Bogen schön abrundet und zu einem bunten Strauß von fast 74 Minuten innovativer Elektronik mit versöhnlichem Ausklang schnürt. Angenehm. (AN)

Format: CD
Vertrieb: Hands / Dark Vinyl
Mailorder: Going Underground
 

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