DANIEL MENCHE & MAMIFFER – Crater (CD), MÁRA – Surfacing (Cassette)

PrintDie Eilandbewohner Aaron Turner und Faith Coloccia mit den Inseln im Ich melden sich zurück. MAMIFFER verstärken sich nach MERZBOW, LOCRIAN, PYRAMIDS, HOLC, CIRCLE, OAKEATER und Demian Johnston nun mit Daniel Menche, einem Mitglied ihrer musizierenden Wahlfamilie. Sechs Stücke stehen als Ergebnis der Schaffensfreude (wobei der Menche-Sozius und Assistent Arrow garantiert ebenso beizutragen wusste). Das halbe Dutzend Tracks bildet in puncto Stücklänge eine Sinuskurve ab, wobei Nummer drei und vier mit je 16 Minuten Spieldauer die Spitze bilden. Der Sinuston als hörbarer Hall, als Grundbaustein jedweden Schallereignisses. “Calyx“ – Nummero uno – benannt nach einem Blütenkelch – birgt die Pianolastigkeit des Duos Turner/ Coloccia gleich Nektar in sich. Dazu schwirren ein paar Menche-Bienchen. Im Hintergrund zirpt Bruder Grille. “Husk“ mit seinem dramatisch angespannten Bogen, fast nur Halteton und Loop, dazu wird des Turners Saiteninstrument rückgekoppelt, hier platzt die Noise- und Bastelfreude Daniels erstmals mitten hinein und die eher Menche typischen Instrumental und Impromuster prägen sich im Fortlauf der Veröffentlichung auf das ambiente MAMIFFER-Gewebe. Ornamentengleich. Gröber und kratziger, fast schon knarzend kauzig schrummelt dieses vibrierend tausendtönige Etwas voran. Fast meinte man, auf “Exuviae“ schon das Dampfröhren der ablegenden Fähre zu vernehmen, dazu regengleicher Partikelniederschlag. Final “Maar“ – Faiths Pianoabschied, natürlich melancholisch aufgeladen nach dem Inselrundgang, dazu grundiert Aarons Gitarre hallig die Stimmung. Fade out zum Schluss, alle Synkopen legen sich schlafen.

MARA_cover_SIGE022Noch besser wird’s auf MÁRAs “Surfacing“, dem Soloprojekt Faith Coloccias. Nur ihre Stimme und ihr Pianospiel. Und das ist manchmal mehr als man zu hoffen wagt. Die sieben Soundminiaturen, die da von Band perlen, bergen atmosphärisch das Beste aus den Welten TINY VIPERS und Christina Vantzous. Getragen von einer Sanft- und Zartheit, die dennoch auch abgründig schimmert. Nach zwei Kooperationen mit dem OAKEATER Alex Barnett besticht Faith hier mit einer stillen Wucht, die eine nahe Ferne in sich zu tragen vermag. Da steigen diese sieben wunderbar-wundersamen Stücke wie kleine Gestirne in den Nachthimmel und bilden für Coloccia ein eigenes Sternzeichen, welches nun im Kosmos steht. Von da hallt Faiths Gesang gleich einer eigenen kleinen Nachtmusik, einem Schlaflied für die Welt und tänzelt, dort (zwischen) “De la mort a la vie“. Fast könnte man dann meinen, etwas zu hören, was ob dieses Zaubers so eigentlich nie gespielt worden sein kann. So bleibt die Erinnerung in einer Sehnsuchtsasche vergraben, auf das Bruder Hypnos dich wieder umfängt und aus dem All dieses Schlaflied tönt, bei dem auch irgendwie des Schlafes Bruder mit heranschleicht. Doch es fehlt am Morgen der Glaube daran, dass das, was da imaginiert oder geträumt wurde, so war. Und alles bleibt gleich einem unsichtbaren Gefährten, einer Narbe ähnelnd, zurück. Zurückgeholt aus dem Universum, was beinah nach diesen Stücken ruft, sie “heimruft“. Die MAMIFFERs – zwei, die beschlossen haben, aus einem weiten Land zu sein. Fantasieverstärker mittels ihrer Kunst. Zu sich erwachend. Zu sich erwachsend. Und nebenbei haut Faith Coloccia noch die Veröffentlichung des Jahres raus.

(L)

Vertrieb: SIGE
 

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