BORIS – Urban Dance/ Warpath/ Asia (CD (3Eps))

boris_asiaNach der zwischen Epik und japanischem Metal (-Pop / -Shoegaze) pendelnden „Noise“ drei neue, CD-only „Eps“, (zunächst) vorwiegend bei Konzerten und via japanischer Mailorder erhältlich. Alle drei nur vom Bandkern selbst eingespielt. Keine Zusatzmusiker; „Asia“ und „Warpath“ ohne Gesang, rein instrumental. Dito fast ohne jedes Schlagzeug. Die ersten auftauchenden Soundbeispiele im Netz fast Antiwerbung: aus dem EP-Zusammenhang gerissen eher nicht funktionierend.

In der Tat waren die drei Eps auch bei mir schon abgemeldet, auch wegen dieser Soundbeispiele, auch weil die musikalische Ausrichtung der Band sich zunehmend immer mehr Ausflüge in Richtungen geleistet hatte, die ich nicht wirklich schätze. Und erst nach nochmaligen Hören der erhältlichen Fragmente die Entscheidung, den dreien (eben auch der Band) eine weitere Chance zu geben. Und auch wenn einige Stücke, je nach Geschmack und Tagesform, Hörer vor Aufgaben stellen, in jedem Fall Neuhörer, die erst mit den letzten Platten dazu gekommen sind, haben sich Boris mit den drei Eps „Urban Dance“ / „Warpath“ / „Asia“ in jedem Fall mal wieder in die interessanteren Bereiche ihres Spektrums begeben:

„Urban Dance“ schickt alle mit dem Opener „Un, Deux, Trois“ zunächst in die Noise-Folterkammer, um die die Höhrer dann mit dem poppigen Gesangsstück „Surrender“ zunächst fast in trügerischer Sicherheit zu wiegen (oder, siehe oben, diejenigen kalt zu lassen, die der seichteren Ausflüge überdrüssig sind). Aber auch dieses Stück wird nach kürzester Zeit zerteilt; durch eine Art Spiegelung des Openers, bevor es sich dann doch freidlich zu Ende schaukeln darf… „Choreographer“: Boris goes Harsh Noise; zumindest ihre Version davon. Am Ende in die Düsternis ausgleitend. Noise und Düsternis bestimmen auch „Endless“, das vorletzte Stück; durch das hinter den Geräuschfetzen und Rückkopplungen langsam hervorkommende Schlagzeug aber in einer Art von sehr experimentellen Pendeln zwischen Experiment und Track; Highlight dieser EP. „Game Of Death“ dann der finale Ausbruch; Harsh Noise plus einige wenige, freundlichere Tonfetzen.

„Warpath“ ist sogar ein fast brutaleres Kaliber: das (perfekt betitelte „Midgard Schlange“ kann nahezu jede Anlage dank ultratiefer Drones zerlegen… was dann noch übrig ist erlebt die Erhebung der Drones in ein Mischwesen aus Feedback, orgelartigen Sounds und Heulen… „Behind The Owl“ ultra reduziert; synthartiges Kriechen. Eine Ausrichtung, die „Dreamy Eyed Panjandrum“ beibehält und (über den Sound) sogar noch weiter abstrahiert, über das Instrumentarium (perkussive Elektronik als Einsprenksel) aber gleichzeitig auch wieder neue Friedensangebote an die Hörer schickt. „Voo-Vah“ als Abschluss dann wieder die Rückkehr der tief rollenden Drones; angereichert mit Resten aus Feedback, mit Resten verhallter Winde… Wie schon der Opener bei aller Experimentalität komponiert wirkend, dynamisch und im ultra-fokussierten Tieftonsound; schlicht perfekt, wie schon „Midgard Schlange“…

„Asia“ startet mit dem (Harsh) Noise / Drone Monster „Terracotta Warrior“, dem seine lange Laufzeit ganz eindeutig zugute kommt. Irgendwie wie ein Nachhall des „Feedbacker“ Albums, zerstört durch White Noise. „Ant Hill“ dann gleich wieder eine der Attacken anderer Art: Synth(?), ultratrocken, reines Experiment… Und schließlich „Talkative Lord vs Silent Master“, der so klingt als seien Boris zusammen mit Sutekh Hexen in den Ring gestiegen… herauszufinden, wer Noisewinde (und darin versteckte oder eingebildete Komposition) am besten kann…

Alle drei im Papp-Aufklappcover mit pastelligen, motivtechnisch grenzwertigen Kindercovern und dem in Japan unvermeidlichen Obi (natürlich ohne, man verzeihe die touretteartig aufkommende, hier niederzuschreiben eigentlich vollkommen überflüssige Assoziation: Wan Kenobi). Definitiv wert, es zu versuchen… wer nicht zu viel riskieren möchte: „Warpath“.

(N)

Format: CD (3Eps)
Vertrieb: Fangs Anal Satan
 

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