GOBLIN REBIRTH – Goblin Rebirth (CD/LP)

GOBLIN REBIRTH – Goblin RebirthKann Filmmusik einen schlechten Streifen retten? Im Falle von GOBLIN, der legendären 70er-Jahre Horror-Progger, trifft das 100%-ig zu. Dutzende B- und C-Filme hat die kultige Band um Keyboarder/Orgelist/Violinist Claudio Simonetti mit ihrem elektrisierenden Sound veredelt. Die prominentesten Beispiele sind sicher die unvergessenen Melodien ewiger Dario Argento-Klassiker, wie „Suspiria“, „Tenebre“ oder „Profondo Rosso“. Zwingend müssen hier selbstverständlich auch die Soundtrack-Arbeiten zu George A. Romeros „Zombi“ und „Dawn of The Dead“ genannt werden.

Der umtriebige Vierer hatte seine Nische gefunden – nach diversen Trennungen löste sich die Band 1989 schließlich endgültig auf, kam aber Anfang der 2000er-Jahre wieder für diverse Re-Union-Konzerte und eine letzte Studioarbeit für Argentos „Sleepless – Non ho Sonno“ zusammen. Jetzt touren gleich zwei Rentner-Bands mit ihrer Musik um den Globus. Die beiden Gründungsmitglieder Claudio Simonetti und Massimo Morante starteten 2010 das Projekt NEW GOBLIN und covern sich live selbst. Die noch neue Formation GOBLIN REBIRTH besteht aus der Rhythm-Section des einstigen Originals (Fabio Pignatelli und Agostino Marangelo – Namen, die nach Berühmtheit quietschen!) und lädt mit ihrem Debütalbum auf eine Zeitreise zurück in die Zukunft ein. Darauf perfektioniert die Band alles, was in den 1970ern zum ganz großen Durchbruch gefehlt hat: Sie schreibt jetzt instrumentale Hits.

Das Quartett bezeichnet seine Musik als Movie Prog und spielt natürlich genau das, was man von ihr erwartet. Als wäre zwischen 1980 und 2015 die Welt stehen geblieben zelebrieren die Musiker jene Art von Sounds, die nur sie beherrschen. Mit ihrem self-titled-Debüt liefern den Soundtrack zu einem imaginären Film, der die Geschichte eines bösen, zwergenhaften Monsters, auf den Namen X getauft, erzählt. Acht Stücke begleiten das obskure Wesen thematisch von der Geburt bis zum Tod. Man kommt nicht dabei herum, das trashige Cover-Artwork lobend zu erwähnen, welche die Magie der acht Stück perfekt in Szene setzt. Geboten wird unverkennbarer Psychedelic-Space-Rock mit viel Synthieflächen. Markant ist die häufig eingesetzte Orgel, welche zusätzlich für okkulte Stimmung innerhalb der rasanten Verfolgungsjagdmusik legt.

Leitet „Requiem for X“ mit Horror-Orgel und 70er-Jahre-Gedächtnis-Solo die Platte feierlich ein, warten so manche gelungenen Überraschungen auf die sehnsüchtigen Fans. „Forest“ und „Dark Bolero“ trumpfen mit sakraler Atmosphäre und stimmungsvollem Frauenchor auf, während „Back In 74“ mit ultracoolem Gitarren-Geriffe allen Föhnfrisuren und liebevollen Maskenmördern jener Ära huldigt. Alles in einem sind GOBLIN REBIRTH anno 2015 deutlich melodischer, songorientierter und eingängiger zu Gange als einige ihrer unhörbaren Werke vor vierzig (!) Jahren.

Wer das 2015 erschienene Album von Halloween-Regisseur JOHN CARPENTER mochte, die Plattensammlung mit aktuellen Hommage-Projeken wie ZOLTAN oder ZOMBI schmückt und sein cineastisches Herz an jene 70er-Jahre Gialli, Argento & Bava-Filme bzw. sonstige Horrorschinken verloren hat, für den gehört diese italienische Wiedergeburt der einstigen Referenzgröße zwingend neben die GOBLIN – THE AWAKENING-Gesamtkollektion.

(Dimitrios Charistes)

Format: CD/LP
Vertrieb: RELAPSE/ ROUGH TRADE
 

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