GEINS’T NAÏT & LAURENT PETITGAND – Je Void Sis (CD)

GEINS’T NAÏT & LAURENT PETITGAND - Je Void SisDas französische Label Ici DÁilleurs eröffnet eine Veröffentlichungs-Reihe unter dem Namen „Mind Travels Serie“ mit dem Projekt zweier aus komplett unterschiedlichen musikalischen Ecken stammender Musiker. Zum einen Thierry Merigout und auf der anderen Seite Laurent Petitgand. Hatte Ersterer bereits in den späten 80er/frühen 90´s mit z.B. Alben wie „yvone“ experimentelle Klänge zwischen Industrial/Elektronik-Avantgarde veröffentlicht, und dort schon seiner Experimentierfreude freien Lauf gelassen, so ist sein jetziger Partner L.Petitgand eher in der Untermalung zeitgenössischer Filme/Dokumentationen(z.B. Wim Wenders- Das Salz der Erde) zu Hause.Dass sich Post-industrielle Welten gerne mit Soundtrack-artigen Kulissen verschmelzen lassen, ist kein Geheimnis und findet auf dieser CD zu einem spannenden musikalischen Trip zusammen. Trippige Rhythmen, noisig angehauchte Sound-Schleifen Merigout´s werden mit orchestralen, zum Teil sehr romantischen Piano-Akkorden Petitgand´s verbunden, vereinen sich dabei zu einen sehr individuellen Ausdruck, wird die experimentelle Rhythmik zum großen Teil durch harmonische Flächen geerdet. Sprachsamples, vorrangig in Französisch, düstere Ambient-Kulissen über fordernde Elektronik-Schnipsel erinnern des öfteren an Großmeister wie Coil, die seinerzeit einzigartigen Les Joyaux de la Princesse u.v.ä. Vertreter des 90er Jahre Industrial/Dark Ambient, welche seinerzeit ihren vormals oft krachig noisigen Sound Richtung orchestralen Post-Wave meets Ambient verlagerten und gerade dadurch zu einer sehr individuellen Stilistik fanden.

„Je Void Sis“ macht Spaß, ist erfrischend vielseitig, jederzeit experimentierfreudig, manchmal fast poppig, sogar Trip Hop Elemente lassen sich ausmachen. Die CD könnte definitiv als Soundtrack zu einem obskuren surrealen Kammerspiel-artigen Film gereichen, wechseln die Szenarien durch vielerlei akustische Irrgärten, wissen aber nach mehrmaligem Hören einen richtigen Sog zu erzeugen. Songs will man erst gar nicht hervorheben, weiß doch jedes Stück zu begeistern und hinterlässt doch irgendwie ein Gefühl, hier einem kompletten Soundtrack-Stück zu folgen. Trotz dessen hat man mit Stücken wie dem total entrückten „iroshima“ kleine Meisterwerke geschaffen, die Folk-tronica mit flüsternden Stimmen zu etwas undefinierbar Schönen verführen. Oder auch der Titelsong, welcher auf einer warmen tröpfelnden Piano-Melodie, durch Drum-Loops verstärkt, sich immer wieder mit weltfremden Stimm-Samples Bilderfluten erzeugt. Chanson-artige Passagen, die in hypnotischer Untermalung obskurer Stimmen-Samples auf monotone, aber fesselnde wehmütige Melodiebögen treffen, lassen einen Jahrmarkt karnevalesker Traumlandschaften entstehen, welches das Beste aus beiden musikalischen Welten zu einer spannenden Melange zusammenfinden lässt.

Man scheut nicht vor Trompeten-Klängen, Glockenspiel und vielerlei modern anmutenden verschleppten Electronica-Loops, haben die Franzosen doch den Dreh raus, Pop und Experiment zu einer funktionierenden Collage zu vereinen… tolle Platte.

(R.Bärs)

Format: CD
Vertrieb: ICI D'AILLEURS/ CARGO
 

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