GROUPER – Ruins (CD/LP)

krank189Liz Harris sammelt. Gern und viel. Am liebsten Tonspuren, Erinnerungen und Eindrücke. Und es scheint ihr Schicksalsgeschenk zu sein, dass sie in der Lage ist, dies auf eine Weise zu verknüpfen, zu verbinden, die staunen lässt. Das aktuell vorliegende Werk entstammt zu 7/8 einer Schaffensphase, die drei Jahre zurückliegt, damals in Portugal, genauer in Aljezur. Der Ort selbst erweckt auf Fotos den Anschein eines Rückzugplatzes, sicheres Terrain, irgendwie. Ebenso ein Winkel, der Lasten zu nehmen im Stande scheint, einfach indem er mittels der Eindrücke vor Ort das Gedankenmeer aufschäumt, auf das der Seelenmüll forttreibt.

Liz arbeitete dort an Stücken, wanderte zum Strand, nahm auf, wanderte. Unterwegs lief sie auf ihren Spaziergängen auch an einem kleinen Dorf vorbei. Dort waren nur noch Reste verfallener Gutshöfe, Ruinen. So passte die Metapher der Ruine genau auf ihre persönliche Situation. Die Häuserreste, diese Epochentrümmer künden von einem Schluss und zeugen von der Gewissheit eines Endes. Was heute noch Tempel ist, kann morgen schon Ruine sein. Und irgendwie schwingt dererlei Unheilsversprechen in den nur vom Piano untermalten Songgespinsten mit. Kreisend tänzelnd, oft auch verharrend berichten die Stücke, welche übrigens von Harris später kaum verändert wurden, vom Moment ihrer Entstehung. Eine Ahnung schleicht hier mit und heran. Was, wenn GROUPERS Musik ihre eigentliche Muttersprache ist? Was wenn ihre Musik die Poesie einer Freien wäre? Fest steht, dass ihr Ausdruck im Hörer einen festen Ort errichtet. Gleichzeitig befördert das Album beim Hörer eine Art “Selbstgeburt“, ein auf die Welt Kommen, ein Eintritt in Harris` Welt. So vermag sich Liz gefühlt haben, als sie erstmals vom portugiesischen Strand aufs Meer blickte und später vor Ruinen stand.

Indes scheint ihre Stimme, ihr Gesang, mit dem an Basinskis Looparbeiten erinnerenden Klavierschleifen zu einem – nun ja – Instrument verschmolzen, mittels dessen sie sich nun in einer neuen Form des Inneren Monologs individuiert. Das weist sie so über sich hinaus. Weit – und das ohne zu streben. Ihren Umgang mit Klangdetails als zärtlich zu beschreiben, hieße nur, das tatsächlich Tönende unnötig zu vergröbern. Das, was auf “Ruins“ zu hören ist, schließt den Rezipienten auf, ähnlich einer Rätsellösung, die vermeintlich schon als verloren galt indem Wahrnehmungslücken geschlossen werden. Doch bleibt da viel Seelengrau und Stimmungs-Ach, denn bekanntermaßen haben “die neuen Tempel schon Risse – künftige Ruinen.“ Liz Harris wird auch sie absuchen und durchwandern, mit festem Gestaltungstrieb wider die Ausblassung. Wundersam. (L aka Z)

Format: CD/LP
Vertrieb: KRANKY
 

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