MAMIFFER – Statu Nascendi (LP/CD)

12" Glued SleeveWenn der Mamifferzug losfährt, sind all jene an Bord, die über ein Transzendenzticket verfügen. Ursprünglich als Faith` Studioprojekt gestartet, liegt nun der Schwerpunkt des Wunderpaares Coloccia/ Turner auf eben Mamiffer. Wenn man so will, ist “Statu Nascendi“ der eigentliche Nachfolger des 2011er “Mare Decendrii“. Nebenbei scheint sich hier auch ein Faible der Amerikaner für fünfsilbige Albentitel herauszuschälen. Nach ihrer Zusammenarbeit mit dem Who is Who des Fabelhaften – namentlich LOCRIAN, PYRAMDIS und CIRCLE – nun ohne andere, nur mit sich.

Als Aaron und Faith im vergangenen Jahr in den USA für ALCEST etliche Shows eröffneten, spielten sie ein sehr reduziertes Set. Dies liegt nun – bei Mr. Randall Dunn in dessen Avast Studios aufgenommen – als eigentlich drittes Album der Band vor. Vier Stücke, 37 Minuten Spielzeit kann da das Transzendenzticket überhaupt eingelöst werden? Ja, absolut. Hier reist man im Nova-Express der Gegenkulturen. Hier und da blinken Lichter im Seelennebel. Und dort, woher die Musik kommt, wohnt kein Ach. Vielmehr erspielen sich die beiden Ausnahmemusikusse eine Ebene, die als eine Art Plattform ihre jeweiligen inneren Königreiche miteinander verbindet, unsagbarer Hort des Prächtigen. Als hätte sich die Idee und das Anrührende THIS MORTAL COILs in die Gegenwart getragen. Und das, obwohl Gegenwart heute kaum noch ist, das Jetzt immer den gerade kommenden Moment meint und es kaum die Möglichkeit des Haltens und Stehens gibt. Auf perkussive Elemente verzichten diese Augen- und Ohrenlust weckenden, via Kunstwerk eine Welt aufstellenden Wundertäter.

Das Eilandbewohnen führte sie nicht in die kreative Verinselung, sondern bildete Inseln im Ich der Musiker. Von dort aus soll der Blick auf den Ozean wunderbar sein. Und das Weltenmeer namens Mamiffer hat dafür viel Horizont. Die Gitarrengrummeleien zerzischeln die Piano- und Organsounds, wenn Faith anhebt, um zu singen, lauscht ihr ein jeder. Denn da öffnet und entzieht sich eine Flüchtigkeit, ein Nebelhort, der fast schon magisch mal Ewigkeitsgirlande, mal inneres Spanntau, stets Grenzseil zu einem Horizont ist. Bisweilen klingt so ein viel zu später Abend, taumelt so ein Schmetterling dem Herbsttod entgegen, knipst jemand das Polarlicht an. Immer Wunder. Immer außerweltlich. Immer Traum.

Natürlich wirkt beim Blick aufs Meer der Strand stets mickrig. Diese hinreißend Hingerissenen, von der Magie ihres Ausdrucks bisweilen hinfortgerissenen Zwei erspielen uns auch eine gegenkulturelle Realität, die letzte ihrer Art vermutlich. So lassen sie den Hörer sich aus der Gruft des Dauerbeschallens erheben, weil ihr zu hörender Entwurf so viel mehr und so anders ist. Das Toben des banalen Supermarkt- und Fahrstuhlkrachs hat uns in dieses Grab gestoßen, dessen Steinplatte durch die Klänge von Mamiffer angehoben wird. Solcherlei Kunst ist Seinsart. Ist Gegenkultur. Hierfür hat man sich entschieden. Genauso will man leben. Als letzte Treue zu sich gegen die Höllen der Ödnis, die schon Verdammnis sind. Ein bei sich Sein, welches die Ewigkeit in die Lebenszeit einlädt.

(Z aka L)

Format: LP/CD
Vertrieb: SIGE
 

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