WOLVES IN THE THRONE ROOM – Celestite (CD)

wolves in the throne roomDie Weaver-Brüder widmen sich dem Ambient. Waren WITTR bisher für archaischen, spirituellen Black Metal bekannt und in letzter Zeit in jedem Falle eine der angesagtesten Bands im extremen Metal-Bereich, kommt man nun mit neuem Sound daher…ja und dieser weiß auf Anhieb zu begeistern. Das setzt voraus, dass sämtliche Scheuklappen nicht vorhanden sind, ambiente Klänge als Alternative zu bisher stattfindenden fordernden Longtrack-BM-Eskapaden der Amerikaner tolerabel erscheinen. Die Möglichkeit im Ausdruck herkömmlicher Metal-Klischees zu brechen, ist so neu nicht, das wussten schon Burzum, Satyricon´s Wongraven, Ulver uvm.

Und im Spannungsfeld dieser Gehversuche, finstere, kalte Synth-Musik zu kreieren, kann man „Celestite“ verorten, gelingt es auf eindringlichste Weise, den Tag zur Polarnacht zu wandeln, pechschwarz im Ausdruck, kalt, unnahbar, spacig. Das letzte Mal, dass mich eine ähnliche Atmosphäre so gefangen nahm, waren die ambienten Elemente auf dem Burzum-Klassiker „Filosofem“, unerreichte kosmische Leere, die ein wahrlich sogartig ins schwarze Loch zerrten, man förmlich mit jeder Faser auf sein urwüchsiges und wahrhaftes Selbst zusammenschrumpfte, alles weltliche, jeglicher Bezug zur Außenwelt verloren zu gehen schien. WITTR spielen hier majestätisch auf, lassen neoklassischen Bombast,70er Prog-Space im Geiste früher Pink Floyd/Popol Vuh, Klaus Schulze-Tangerine Dream mit diesen typischen, sehr nordisch weiten Black Metal-affinen Trauermelodien verschmelzen, was über weite Teile der CD sehr sakrale transzendente Momente heraufbeschwört. Man erschafft einen sehr hypnotischen imaginären Soundtrack, dessen Bilder in dunkelblauen, schwarzen kristallinen Farben schimmern.

Black Metal Hörer, denen Atmosphäre über die instrumentalen Klischees hinaus elementar, wichtiger erscheint, werden hier durch einen schwarzen, finsteren melancholischen Korridor in unendliche kosmische Weiten geleitet, der in 5 Songs auf knapp 50min ein tiefes Herabsteigen in die eigene Psyche ermöglicht. Dronige Gitarrenspuren, die vereinzelt die psychedelische Kraft dieser Platte unterfüttern, erinnern an die Erhabenheit so mancher Sunn O))-Platte. Bedrohliche Klangmuster, sphärisch spacige Synth-Flächen lassen wie in „Celestite Mirror“ eine Erhabenheit erstrahlen, die erdrückend in ihrer Epik, ihrer Schwermut ist, und letztlich mit einer Schwärze im Ausdruck strahlt, die in ihrer Verlorenheit die gleiche Kraft ausstrahlt, die auch manchem Black Metal-Klassiker innewohnt.

Den Hard Black Metallern wird ggf. die herkömmliche Instrumentierung fehlen, wer aber die Schwärze, verzweifelte Melancholie und cinematische Bilderflut mancher BM-Klassiker zu schätzen weiß, wird diesen neuen Sound-Ansatz der Washington-Boys aufzusaugen wissen. “Celestite“ wird die Lager spalten, erfindet das Rad ambienter kosmischer Instrumental-Musik zwar nicht neu, weiß aber mit einer sehr individuellen Dynamik im Sound zu begeistern, da kann der nächste Winter kommen.

(R.Bärs)

Format: CD
Vertrieb: Artemisia/ Cargo Records
 

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