NEVER SOL – Under Quiet (CD/LP)

Das Label Denovali muss wohl Black-Online Lesern nicht mehr vorgestellt werden, stellt es im Bereich dunkler, experimenteller Musik eine qualitative Ausnahmestellung dar. Wer so wie der Rezensent bereits das fantastische, jährlich stattfindende Festival renommierter Künstler aus dem Denovali-Umfeld erleben durfte und das akustisch in der Berliner Passionskirche, weiß um den Genuss der jeweiligen Ausnahme-Künstler. Man setzt sich musikalisch mit seinen Künstlern keiner Grenze aus, viel mehr wird auf Originalität, speziellen Ausdruck und toller Verpackung der Produkte geglänzt.

Hinter Never Sol verbirgt sich die tschechische Sara Vondraskova, die dort seit 8 Jahren am Konservatorium studierend, ihre ersten musikalischen Gehversuche seit 2011 im Prager Szene Cafe V Lese, solo am Klavier intonierte. Das schaffte musikalisches Selbstbewusstsein und im Sog dieser Entwicklung machte sie Bekanntschaft mit dem Produzenten Jan P. Muchow, der 2 Jahre lang mit ihr am Debütalbum arbeitete. Mit dem Klavier als Ausgangspunkt wurde fleißig an Sounds und Möglichkeiten experimentiert, was über Album-Länge „under quiet“ ein sehr abwechslungsreiches Sound-Bild verpasst. Sara verfügt über eine stimmlich große Bandbreite, die in Verbindung mit sehr orchestralen Elementen wie in „lay down“,“hands“ oder „lake“ und wiederum sehr intimen fragilen Songs wie „saint fly“ oder „run with the wolves“ die emotionale Achterbahnfahrt dieser CD unterstreicht. Kammermusikalisch auf der einen Seite wie in „the dive“ oder unterkühlt Electronica/Trip Hop angehaucht wie in „eyes skin moves“ “breathe“ oder „places“, lotet Never Sol alle Untiefen aus, weiß stimmlich auf intime, oder auch erotisch laszive Art ihre sehr persönlichen Texten ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen.

Da schimmern Massive Attack, Tori Amos, Fiona Apple, Milu, Bat for Lashes, teilweise Goldfrapp in ihrer unterkühlten Art durch, und die Label-Mates von Poppy Ackroyd, das aber letztlich nur als loser Vergleich zu verstehen. Jazzige Akkorde wie im Opener „lake“ irritieren im ersten Moment, benötigen einen gewissen Anlauf, schaffen aber nach mehrmaligen Hören trotz der Vielfalt im musikalischen Ausdruck eine gewisse entrückte Stimmigkeit, die durch Saras durchgehende melancholische Schlagseite über Albumlänge zu begeistern weiß. Das dunkelrote Cover könnte Synonym für die Anrüchigkeit, die manchmal erotisierende Art des gesanglichen Ausdrucks sein, in welchen Leidenschaftlichkeit und gleichzeitig eine gewisse Unterkühltheit zum Ausdruck kommen. Musik, Akkorde für die späte Nacht, gerade im akustischen Glanzstück „run with the wolves“, kommt sie einem sehr nah mit verletzlichen Gesang, nah und sehr klar am Mikro direkt in des Hörers Herz.  Oder im majestätischen „places“ verdichtet sich alles streicher-untermalt, auf sehr orchestrale Weise zu einem emotionalen Wall of Sound. Diese permanenten Wechsel aus modernen trippigen Beats und sehr klassisch minimalen Sounds sind die Basis von Never Sol´s Debüt.

Permanente Wechsel von orchestral bis minimal, schräg bis poppig sind sicher typisch für ein Debüt-Album, zeigt wie üblich die Ansammlung von Stücken der ersten Jahre, welche sicher in hoffentlich folgenden Alben einer Verdichtung in eine gewisse Sound-Richtung zeigen wird.  Auf diesem Debüt wird sich nicht festgelegt, es braucht seine Anläufe, für Freunde von female Vocals allemal ein Reinhören und Entdecken wert. Man darf auf die Zukunft dieser jungen Künstlerin gespannt sein.

(R.Bärs)

Format: CD/LP
Vertrieb: DENOVALI/CARGO
 

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