INVENTIONS – Inventions (CD/LP)

Wenn sich Musiker von so Hochkarätern aus der Electronica/Postrock-Ecke wie Matthew Cooper (Eluvium) und Mark T. Smith (Explosions in the Sky) für ein gemeinsames Projekt entschließen, liegt die Vermutung nah, was besonderes in genau dieser Schnittmenge zu erhalten. Dieser Erwartung werden beide mit ihrem gemeinsamen Baby Inventions vollauf gerecht, soviel vorweg. Entstanden ist die Idee, als Cooper für sein letztes sehr zu empfehlendes Doppel-Album „Nightmare Ending“ Smith zu einer Song-Kollaboration einlud.

Wie so oft im Leben entlud sich dieser Funke, diese Begegnung in mehr als ein einmaliges Aufflackern, stattdessen manifestierte der Wunsch zu einem gemeinsamen musikalischen Projekt, so dass die beiden langjährigen Freunde und Labelpartner sich über 6 Monate Soundfragmente zwischen Portland und Austin zusandten, und natürlich als Kreativlinge schnell eine Masse an Material zusammen hatten. Vervollständigt und perfektioniert wurde das ganze in einem abgelegenen Strandhaus an der Küste des Oregon, was spürbaren Einfluss auf die windgepeitschte Schönheit und die warmen Vibrationen des Albums nachweislich hat.

Die Hauptprojekte Eluvium bzw. Explosions in the Sky stehen für die harmonische, warme Seite des Postrocks und diese Kunst des Driftens im  Sound (siehe Eluvium) steht hier klar im Vordergrund, wird auf sehr feingliedrige, melancholische Weise immer wieder von diesen vorsichtigen Gitarren-Licks ergänz, die man bei EITS kennt. Das kommt Songs wie den kurzen, aber sehr wirkungsvollen Opener „Echo Tropism“, dem erst minimal flirrenden, dann aber mit Loops lospluckernden „Peaceable Child“ sehr entgegen, bricht es ein zu sehr im ambienten Sound verhaftet sein, immer wieder auf, lässt viel Sonnenstrahlen rein, und ist weit davon entfernt nur als Hintergrund wahrgenommen zu werden.

Pastorale, oft Sigur Ros nicht unähnliche, monumentale dronige Soundspuren werden mit Stimm-Samples und durch den Äther flirrenden Geräuschen zu einem immer in einer positiven Grundstimmung mäandernden Kosmos, der nicht wie sonst im Postrock üblich mit den Auf/Ab Mechanismen spielt, die oft im zerfallen von Gitarrenwänden die nötige Katharsis erreichen, stattdessen werden hier permanent warme melodisch driftende Sound-Schichten überlagernd ineinander gewoben, spielen feine glockenklare Gitarrenklänge durch des Hörers Ohr, lässt man ab und zu kräftigere Drums einfließen. Dies gelingt besonders wirkungsvoll in den 3 letzten Songs „Sun Locations…“ „Recipient“ und „Psychic Automation“, wo zum Teil mit sehr kraftvollen Loops- Drums eine Dichte erzeugt wird, die eventuell für die Zukunft auf einiges hoffen lässt.

Somit ist der zwar grundsätzlich ambiente Sound immer von Dynamik durchströmt, da die wenigen, aber sehr effizient eingesetzten Stimm-/Sprachsamples bzw. Drums diese cinematische Sogwirkung erzielen, was den üblichen Kopfkino-artigen Effekt mit sich bringt. Alles ist dauerhaft im Fluss, nebulöse Bilder von wolkenaufbrechendem Himmel, einer Welt, die gerade in diesen gewissen innehaltenden Momenten ganz früh am Morgen oder bei Sonnenuntergang einer Klarheit unterliegt, die man eben nur fragmentarisch erahnen kann. Shoegazernd schimmern immer wieder die surrealen Sigur Ros, Boards of Canada bzw. ruhigen Mogwai durch und letztlich erfindet man nichts neu, erreicht aber Momente totaler Weltvergessenheit, anmutiger Schönheit und organischer Rauschhaftigkeit, die für die hellen Jahreszeiten das perfekte Album schaffen, verwaschene, emotional positive Musik für die blaue Stunde eben.

Man ist näher am Eluvium Basis-Sound, also verwaschene Electronica meets ambienter Postrock, welcher letztlich von diesen sensiblen Gitarrenakkorden von EITS perfekt ergänzt wird. Somit klare Kaufempfehlung!

(R.Bärs)

Format: CD/LP
Vertrieb: Temporary/Cargo Records
 

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