MINOT – Equal / Opposite (CD), O – When Plants Turn To Stones (CD)

Minot „Equal / Opposite“ CD (Golden Antenna/ Broken Silence)

Instrumental Trio um Ex-From Monument To Masses Gitarrist Matthew Solberg. Kompakt, roh (in Spiel und Sound; beides mal nur positiv gemeint), voller Energie, teils experimentell, besonders was die Themen, Melodien und Konstruktionen der Gitarre betrifft. Mit einem Schlagzeuger (Shannon Corr), der mit seinem Spiel zwischen Frickel und Tribal seine ganze Energie als eine perfekte Bühne für die Gitarre und den auch mal fast impro/ jazzmäßig spielenden Bassist Ben Thorne ausbreitet. Das Label-Info vergleicht einzelne Aspekte der Band denn auch mit dem Dischord-Sound, besonders dem von Fugazi und liegt damit, die grundsätzliche Zweifelhaftigkeit von Vergleichen mal weitgehend unkommentiert gelassen, durchaus nicht falsch: eine gewisse organische Math-Rock Haltung (mit einem Schuss Noise) scheint „Equal / Opposite“ auf voller Länge zu durchziehen; eine Haltung, die die Band gleichermaßen aus reinen (Indie) Rockkontexten heraushält wie auch aus denen des Postrock (zumindest in der Art, wie er landauf- landab als solcher verstanden wird. Auch wenn gerade die bloße Abwesenheit von Gesang und „normalen“ Akkorden gerne immer wieder als Anlass genommen wird, geradezu oberflächlich genau dieses Label zu verleihen). Soviel als Anreiz und Warnung zugleich… Ein Blick auf das Effektarsenal von  Matthew Solberg lässt übrigens vermuten, dass die auf dem Album hörbaren Gitarrenschichten nicht zwanghaft als Overdubs nach und nach entstanden sind, sondern (ala Russian Circles) live geloopt worden sind / werden. Perfekt ausbalanciert zwischen anziehend und brutal, Melodie und Noise.

O „When Plants Turn To Stones“ CD (Golden Antenna/ Broken Silence)

O (= Circle) sind schon seit ihrer ersten Veröffentlichung, dem Tape „Demo“ von 2011 deutlich anders als die meisten derer, die sich (freiwillig oder auch nicht) innerhalb des großen Genres Postrock bewegen. Anders in dem Sinne, dass O sich dort, wo andere behaupten sich Zeit zu lassen und ihre Stücke langsam und bedächtig aufzubauen, WIRKLICH Zeit lassen. Und Raum. Dem einzelnen (und gemeint ist: wirklich dem einzelnen) Ton eben allen Raum innerhalb eines Stückes zustehen, den die Band für richtig hält; wenn nötig auch über die Länge eines ganzen Stücks. Das dabei dann nicht ein in sich zerfallendes Geklimper sondern im Gegenteil hochspannende Stücke herauskommen, die bei all ihrer aus dieser Überdehnung der Zeitparameter entstehenden inneren Kraft dennoch immer auch einen zutiefst entspannten (und entspannenden) Aspekt in sich tragen, ist dann wohl eindeutig dem Können der Band und ihrer Fähigkeit sich bis zur Selbstbeschränkung zu fokussieren geschuldet; wenn z.B. einzelne, fast verloren wirkende atmosphärische Einzeltöne minutenlang allein durch ebenso vereinzelte Schlagzeugandeutungen begleitet werden. Jede später folgende, auch nur angedeutet leichte Verdichtung, das Dazukommen eines weiteren Instruments oder eine Andeutung von Gesang ist dann ein geradezu exemplarisches Großereignis in dem durch Ruhe und Stille regierten Soundkosmos auf „When Plants Turn To Stones“. Und insofern treibt es O mit der Dynamik auf ihrer neuesten Platte auch noch deutlich weiter als auf den in diesem Sinne auch schon extraordinären Vorgängern. Die Band scheint mit ihrer Haltung definitiv in einem „woanders“ verortet, in einem dort, wo es möglich ist, Stille zu vertonen ohne sie dabei zu zerstören. Und mit Blick auf die Cover der Vorgängerveröffentlichungen und dem Hören der Musik auf diesen scheint sie sich dessen schon von Anfang an bewusst gewesen zu sein. Extraordinär.

(N)

Format: CD
 

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