SHIELD PATTERNS – Contour Lines (CD/LP)

Trendig neue Schwärze, frisch aus dem Vereinten Königreich, liefert das Duo SHIELD PATTERNS mit ihrem ätherischen Dark-Pop Debüt „Contour Lines“. Die in Manchester lebende Künstlerin Claire Brentnall und ihr musikalischer Seelenverwandter Richard Knox erschaffen schwelgende Ambient-Wolkenlandschaften für Fortgeschrittene. Reichlich Einkehr zwischen den Traditionen inklusive. Hobbymelancholiker, die Platten von CHELSEA WOLFE, TOMORROW WE SAIL, HER NAME IS CALLA und natürlich TALK TALK im Plattenschrank stehen haben, sind eingeladen mitzureisen. Einzige Voraussetzung: Das obligatorische Glas schwerer Rotwein. Ernsthaft Leute, das ist essenziell! Aus aktuellem Anlass empfehle ich an dieser Stelle einen trockenen griechischen Agioritikos aus der autonomen Mönchsregion Athos in Griechenland. Gerne auch den aktuellen Jahrgang. Anschließend: Andacht!

Die gespenstisch-anmutende Musik von SHIELD PATTERNS wirkt wie ein schauriges Varieté für hoffnungslose Romantiker, die lieber ein romantisches Wochenende in einer vermoderten Ruine verbringen, als am Strand den Sonnenuntergang zu genießen. Abseits gängiger Songstrukturen wird nicht zwingend auf einen finalen Höhepunkt hingearbeitet. Vielmehr fließen Stücke ineinander über, Pianos überlappen sich, hypnotisieren durch ihren Minimalismus. Aber wie wir alle gelernt haben: Der Teufel steckt im Detail („Carve in the dirt“). Genaues Hinhören lohnt auch hier. Erste Aufmerksamkeit erreicht das Projekt bereits mit ihrer ersten Single „The Rule“. Erinnert mich persönlich irgendwie an die kuscheligen Mathrock-Balladen von TU FAWNING. Nur mit mehr Gefühl. Und ohne Mathrock. Auch die fragile Intimität von THIS MORTAL COIL ist zwischen den Zeilen zu hören. Über den zehn Kompositionen schwebt stets die sanfte Stimme von Brentnall. Die zeitlose Schönheit der Protagonistin trägt sicher ihren Teil dazu bei, dass sich die Platte auch aufgrund des eitlen Artworks ansprechend verkaufen wird. Die teils elektronischen Percussions erwecken in mir den Eindruck, dass die gute Dame in ihrer Jugend viel DEAD CAN DANCE und ähnlichen Ethno-Pop gehört haben muss. Nachzuhören auf orientalisch-anmutenden Hommage-Tracks wie „Dead Air“ oder dem eher experimentelleren Outro-Stück „Charon“. Hier wagen SHIELD PATTERNS endlich den Ausbruch aus dem meiner Meinung nach zu eng anliegenden Soundkorsett. Möglicherweise ebnet das Stück auch die weitere Richtung für das Projekt. Wirklich viel Abwechslung bekommt der Zuhörer in den knapp 40 Minuten schließlich nicht zu hören.

„Contour Lines“ ist ein stimmungsvolles Album für einen besinnlichen Abend zu zweit oder einen kurzen Rückzug aus der Gesellschaft. Es wirkt wie ein klaustrophobischer Schatten, der sich über dich zieht. SHIELD PATTERNS flirten mit dunklen Stimmungen, ohne aber in Untiefen abzudriften. So bleibt der Düster-Pop, den das Duo hier kredenzt, immer nachvollziehbar und auch für die Nicht-Gothic-Freundin interessant. Für die Zukunft bleibt den Beiden zu wünschen, dass sie neben all der Ästhetik und Image-Profilierung ein starkes Nachfolgewerk in petto haben. Ansonsten bleibt es wohl bei einer kurzen Liaison als Hype der Saison. Frauen mit langen schwarzen Haaren gibt es in der Szene schließlich zu genüge. So crazy poetic girl, where is your uniqueness?

(Dimitrios Charistes)

Format: CD/LP
Vertrieb: GIZEH
 

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