HEXIS – Abalam (CD/LP)

Sollte die unwahrscheinliche Situation eingetreten sein, dass ihr euch am letzten CELESTE Album “Animale(s)“ sattgehört habt, es vollständig „verstanden“ habt und eure krachsüchtigen Synapsen dennoch nach artverwandtem, destruktivem Lärm aus der Hölle dürsten. Voilá. Die nächste Hipster-Post-Black-Metal-Band steht bereits in den Startlöchern. HEXIS aus Dänemark reihen sich in den Trend okkulter Krachkapellen im Stile von THE SECRET (Italien), SARABANTE (Griechenland), HESSIAN (Belgien), UNRU/ DOWNFALL OF GAIA (Deutschland), ENTROPIA (Polen), ASFIXIA (Spanien) oder WOE (USA) ein. Über allen schweben trotzdem nach wie vor die alles zermürbenden CELESTE aus Frankreich. Da führt auch beim ersten Full-Length „Abalam“ kein Weg an der Kopenhagener Band vorbei. Das hart umkämpfte Zepter des ästhetischen Hasses bleibt vorerst in Lyon.

Es keift, es spritzt, es blutet. Pissiges Todesgeschrei, splatternde Gitarren und tobsüchtige Schlagzeug-Attacken. In der Hölle scheint massenweise Sonderurlaub beantragt worden zu sein. Die Szenewelt ertrinkt unter seinem schwarzen Vorhang. Letztendlich kann mittlerweile vermutet werden, dass sich die heutige HC-Generation an ihrem kollektiven Leid und ihrem apathischen Dasein ergötzt. Die Flucht aus Entscheidungen, zurück ins antikosmische, spirituelle, nihilistische Weltbild kommt einem da sicher entgegen. Trotzdem. Die musikalischen Vorbilder sind zu offensichtlich gewählt. Tobende Crustcore- und Black-Metal-Kombos gehören mittlerweile zum hippen Städte-Prestige der europäischen Hardcore-Szene – und langweilen mit der immer gleichen Genre-Kost aus Blast-Beats, tiefergestimmten Leersaiten und blasphemischem Image. Inhalt? Message? Manifest?! Da müssen wohl immer noch die altbekannten US-Größen wie TRAGEDY oder AUS-ROTTEN herhalten.

Wer sein infernalisches Geballer zur Abwechslung mal aus Dänemark serviert bekommen möchte (aber halt, die kaum verständlichen Lyrics sind ja trotzdem wieder auf Englisch), der findet in HEXIS sicherlich seine neuen Brüder im Geiste. Seit 2010 setzt die Band auf vielen Shows in Europa ihre Duftspur und versucht in adretter Schwärze glaubwürdige Misanthropie für die Generation 1990+ zu vermitteln.Das klingt auch zugegeben alles fies und böse, hat man im Genre-Kontext aber schon des Öfteren glaubwürdiger bzw. deftigerer Form serviert bekommen. An dieser Stelle seien die Jungs von THROWERS aus Leipzig gegrüßt: Auf euer Debütalbum wird nach wie vor sehnsüchtigst gewartet. Ihr könnt spielen, habt was zu sagen und gebt euch beim Songwriting auch reichlich Mühe.

Zurück zu HEXIS. Mit ihrem wirklich angsteinflößenden und optisch-einwandfreien Album-Artwork mit Exorzismus-Leitthema sind die fünf jungen Herren sicher nicht auf Zeitlosigkeit aus. Hier herrscht noch die gute alte Rebellen-Devise: Live hard, die young. Erstmal alles niedermetzeln und dann noch obendrauf strullern. Live knallt das ordentlich und kommt mit heftiger Strobo-Show. Auf Platte ist das wirklich nur etwas für fanatische Sammler, denen es bei Genre-Tags wie Sludge/Crust/Grind/Power-Violence schon sehnsüchtig in den Fingern juckt.

Wer vor dem Blindkauf probehören mag. Die Band stellt – ähnlich wie die Vorbilder von CELESTE – die Musik auf ihrer Bandcamp-Seite zum kostenlosen Download zur Verfügung. Ach ja, falls das jetzt jemand überlesen haben sollte. Das knapp halbstündige Album kann einem schon ordentlich die Laune versauen und ist in Machart und Konzeption wirklich gelungen. Um szeneintern vollends überzeugen zu können, muss die Band aber in der Zukunft auf ein Alleinstellungsmerkmal hinarbeiten, um sich ihre authentische Bedeutung zu erarbeiten. Daher versuche ich weiter das ewige Mysterium CELESTE zu ergründen. Da stimmt einfach das Gesamtpaket! Bitte nicht schlagen und Frohes Sterben noch.

(Dimitrios Charistes)

Format: CD/LP
Vertrieb: MUSICFEARSATAN
 

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