KLANGSTABIL – Shadowboy (CD)

Ich verfolge den Werdegang des Duos KLANGSTABIL nun schon vom Anfang an mit und muss gestehen, dass ihre musikalische Entwicklung mehr als atemberaubend ist. Was einst mit statischer Monotonie bzw. nicht zu leugnenden KRAFTWERK-Einfluss begann, streifte im weiteren Verlauf Industrial und Techno, um zuletzt fast in einer Emo-Ausgabe von PROJECT PITCHFORK zu enden. Die beiden letzten Alben „Taking Nothing Seriously“ und „Math & Emotion“ wurden dabei völlig vom Gesang und nervigen Texten über das gestörte Seelenleben einer der beiden KLANGSTABIL-Protagonisten dominiert. Höhepunkt dieser plakativ-emotionalen Entwicklung war die letzte EP „Vertraut“ und ehrlich gesagt ging mir das Ganze damit absolut auf die Nerven! Vor 5 Jahren wurde nun bei Boris May von seinem Psychiater Hypersensibilität attestiert, welche er jetzt mit dem aktuellen Album „Shadowboy“ thematisieren, verarbeiten wie bewältigen wollte. Ich erwartete daher nichts gutes und schob „Shadowboy“ lange vor mir her, weshalb dieser nun erst mit einem halben Jahr Verspätung den Weg in meinen CD-Player fand. Was ich dann jedoch in den nächsten 40 Minuten zu hören bekam, verschlug mir fast die Sprache – KLAGSTABIL machen jetzt in Hip Hop und das klingt richtig gut! Beginnt beim Opener das Erwachen des Schattenjungen noch relativ gebremst, so weisen jedoch die bellenden Vocals schon die grobe Richtung vor. Das folgende „Pay With Friendship“ kennt dann aber kein halten mehr und unwiderstehlich groovige Beats gehen eine perfekte Symbiose mit dem rhythmischen Sprechgesang des KLANGSTABIL-Duos ein. Der nächste Höhepunkt folgt sogleich mit dem in Italienisch gerappten „Cinecitta“, wobei die Musik dazu eher in Richtung Minimal Electro deutet. Mit „1 Of 100“ wird es deutlich aggressiver, um mit „Schattentanz“ einen Ausfahrt zum Detroit Techno zu nehmen. Das alles wie schon gesagt mit dem markanten Rap-Gesang, welcher auf „Arbeitstitel“ mittels MC Fage erstmals auch in deutscher Sprache zum Einsatz kommt. Für viele wird dies sicher einen Knackpunkt der CD darstellen, aber nach mehrmaligen Hören passt dieser Track im Stile der FANTA 4 ganz gut in den abwechslungsreichen und trotzdem konzeptionell zwingenden Album-Fluss und könnte eventuell ebenfalls solche Genre-Brücken bauen, wie es seit einigen Jahren CASPER sehr erfolgreich vormacht. Unterstützung auf den insgesamt 8 Tracks von „Shadowboy“ wird KLANGSTABIL übrigens durch alte Weggefährten wie Daniel Myer (HAUJOBB, ARCHITECT), Ben Lukas Boysen (HECQ), Manuel G. Richter (XABEC), SENSORY GATE und STORM zu teil. Das bombastisch-wütende „End Of Us“ lässt dann ein absolut hörenswertes Werk unversöhnlich kämpferisch ausklingen, welches mit einer Spielzeit von nur knapp 40 Minuten eigentlich wie gemacht für eine Vinyl-Auflage wäre. Leider erscheint das Album neben der regulären CD-Auflage im schicken Siebdruck-Digipack nur noch als limitierte Box-Edition, die zusätzlich zur CD auch das gleichnamige Buch von Christian von Aster, einen Pin, Sticker etc. enthält. „Shadowboy“ ist hiermit meine reichlich verspätete, aber trotzdem mehr als berechtigte Nachnominierung für das Album des Jahres 2013. (Marco Fiebag)

Format: CD
Vertrieb: Ant-Zen / Mhz
Mailorder: Going Underground
 

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