CHRISTINA VANTZOU – No 2 (CD)

Am Synthesizer komponieren. Samples basteln. Videoinstallation für THE DEAD TEXAN. Kammermusikalisch definierte Vorlieben. Klangschleifchen drum. In Brüssel wohnen. Mit Adam Wiltzie arbeiten. Über Christina Vantzou sprechen. Eine Komponistin und Videokünstlerin mit einer Arbeitszeiteinteilung, die dem STARS OF THE LID-Kopf gleicht. Drei Jahre für “No 1“, vier Jahre für “No 2“. Die Betitelung logisch, die Aufnahmedauer ansteigend und das Ergebnis?

Von Kammermusik sprechen hier manche. Kammermusik bei fünfzehn Musikussen und zwei Köpfen? Bei siebzehn Leuten? Große Kammern machen mich staunen. Noch mehr allerdings das hier zu Hörende. Allein das Streichnonett und deren vibrato in excelencia. Schweben. Fliehen. Niedergehen. Halten und Stehen. Dunkle Wellen heimgefallener Fontänen. Als ob es tausend Fontänen gäbe. Dort hinten im versagten Garten, da flattern Strähnen, schon entwirrt. Still im Licht aus dieser Komposition, nach dem kleinen Erhitzen zitternd bei schwalbenflacher Atmung. Dazu die feinen Bläser. Sextett zum Nonett. Sie rufen sich, so voller Sehnsucht. Hingabe auf türmender Leidenschaft. Und Christina schwingt den Taktstock und Adam zieht derweil die blassen Fäden der kaum sichtbaren Zusammenhänge. Wer so schwebt – erkennt einander. Beim Hören ein Sinn besiegendes Staunen, so fein, so zart, so nobel ist der Vantzous Spiel und Aufführung und macht das Hören beben. Wie STARS OF THE LID – klar aber auch Hilmar Örn Hilmarsson und Rachel`s vielleicht. Da singt es im Mittelteil der Platte auf fünf Stücken. Um das Zentrum “Vancouver Island“ und “Sister“ (Track fünf und sechs) lagert sich das Wunderbare an, gelockt vom Sirenengesang. Da hilft alles Wachs der Welt nicht, da bindet kein Seil an den Hauptmast. Direkt hinein ins Sirenenreich. Irgendwas tief Erlebtes fällt dabei den Hörern und Angelockten vor die Füße. Und dies einzuordnen, ist kühne Kunst. Dann und wann – wenn die Schönheit zu erschlagen, zu ersticken droht, winden sich purpurne Träume des Schmerzes auf “No 2“. Leise schellen Silbertöne über kraterlange, aufgehende, ja fast blühende Wunden. Transzendentales Erfahren.

Aus den Gängen des Mittelschiffs dieser Klangkirche strömt ein Empfinden, welches den Liderschlag als Sakralereignis feiert. Alles gerinnt. Alles gelingt. Alles erhebt sich. Nicht weniger als eine Vergleichsgröße liegt hier vor. Staunen und schweben wir. (Z)

Format: CD
Vertrieb: KRANKY
 

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