NOTHING – Guilty of Everything (CD/LP)

Relapse, das ehrwürdige Label für extremes aus Metal, Stoner und Doom goes Shoegazer-Pop. Mit den Amerikanern von Nothing hat man sich einen feinen Ohrenschmeichler an Bord geholt. Die Band um Domenic Palermo (ex-Horror Show) und Partner Brandon Setta verschreibt sich auf dem knapp 39-minütigen Debüt in vollen Zügen dem Sound der frühen 90er, will heißen die schwebende süßlich verschobene Aura von My Bloody Valentine trifft auf frühe Smashing Pumpkins, und wird durch himmlische Slowdive-Referenzen und psychedelisch rockige New-Shoegazer/ Postrock Bands wie True Widow oder Cold Cave abgerundet. Nothing machen einfach Laune, verstehen sich auf einen gesunden Mix aus melancholisch schwebenden, tief im klassischen Shoegazer-Hall triefenden Soundwolken, nur um im richtigen Moment auch mal ganz klassisch alternativ/ indielastig nach vorne zu rocken.

Mit viel Gefühl für Drive, Groove und Melodie auf der einen Seite, aber auch mit der nötigen Tiefe gelingt der Spagat zwischen sphärischen Gitarrendriften und klassischem Alternative-Pop/Rock. Das ist im druckvollen zeitgemäßen Sound schon jetzt die kommende Sommerplatte, verknüpfen Nothing die sonnendurchfluteten sphärisch, abgehobenen Elemente der absoluten Supergroup des Shoegazer Slowdive, nur um im richtigen Moment die Dynamikpalette Richtung Smashing Pumpkins (“Gish“ oder “Siamese Dream“) zu variieren, die damals auch auf irgendwie lieblich, naive Art mit tollen Melodien ins melancholische Herz sich bohrten. Gesanglich wird über Albumlänge die komplett entrückte, in Hall getauchte flüsternde Tonart gepflegt, welche sich dem schmissigen, vernebelten Gitarrensound aufs angenehmste anpasst (siehe Slowdive). Wehmütig, melancholisch schrammeln die Gitarren zu süßlich vernebelten, immer sehr poppigen Melodien, die My Bloody Valentine-Klassiker offenbar mit der Muttermilch aufgesogen haben. Das ist sicher nicht neu, ist im alternativen Gitarrenunderground seit Jahren ein Shoegaze-Revival (The Meeting Places,The Pains Of Being Pure At Heart uvm.) nicht zu überhören, so schaffen Nothing in diesen 39 Minuten ohne jeden Ausfall ein feines Kleinod, das Hit an Hit speist, mit vielen tollen Gitarrenmotiven glänzt und ganz in der Tradition der o.g. Klassiker einfach nur Spaß macht und zum Schwelgen einlädt. Das Label preist mit My Bloody Valentine und Jes u(welche ich da nicht wirklich so raushöre) und produziert wurde von Jeff Zeigler (Kurt Vile und War on Drugs), der Nothing einen ganz klassischen Alternative/ Shoegazer Sound verpasste, welcher sehr grooviges Drumming, noisig postrockige Gitarren auf schwebende Sphärik im Gesang treffen lässt, die zu keiner Sekunde Langeweile aufkommen lässt, im Gegenteil ist Kurzweiligkeit über die gesamte Länge des Albums großgeschrieben.

Highlights wie der Opener, gleichzeitige Megaohrwurm „Hymn To The Pillory“ oder das folgende „Dig“, die einfach nur schwer im Ohr sich verbeißen und dies auch lang nicht verlassen, einfach nur schmissig begeistern, treffen auf kurze Abgehnummern wie „Bent Nail“ oder das poppige fast postpunkige „Get Well“. Wiederum wird auch postrockig, zum Teil an Bands wie die Schweden Jeniferever erinnernde Songs wie „Endlessly“,“B&E“ oder das herrlich traurige „Somersault“ schwebend durch den Äther gedriftet, sind die tollen Gitarrenmelodien zwischen noisig, sphärisch und wieder klar melancholisch rockig ein stetiger Ohrenschmaus. Sicher erfinden Nothing hier aber auch so was von nichts neu, verbeugen sich ganz tief vor My Bloody Valentine, Slowdive und den Klassikern der frühen 90er Alternative-Rock Riege, machen aber durch tolle Melodien einfach Spaß auf den kommenden Sommer, sind kurz und schmerzlos auf den Punkt. Tolle Platte mit vielen schönen poppigen Momenten, zwischen Euphorie und schwebender Melancholie. Tipp!

(R.Bärs)

Format: CD/LP
Vertrieb: RELAPSE
 

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