KAJKYT – II (2LP/CDR/TAPE)

Gute bis sehr gute Veröffentlichungen kommen in letzter Zeit verstärkt aus dem Umfeld des in Österreich ansässigen GOD-Labels, welches sich auf nationale aber auch europäische Projekte im Dunstkreis Experimental, Drone und Ambient spezialisiert. Und fast wäre uns da noch eine der Perlen von 2013 unter die Lappen gegangen. Nach mehrmaligem Hören, und immer wieder Aufschieben, folgt nun die Rezension zum innovativen und endlich mal „andersartigen“ Dark Ambient/Drone-Projekt  des serbischen Komponisten Slobodan Jaijkut. Bereits im Oktober 2013 via GOD veröffentlicht. Und auch wenn schon wieder Dutzende interessante Projekte und Veröffentlichungen an den Startplätzen stehen. Wer seine Drones und düstere Abendunterhaltung gerne etwas exotischer und mit dem Prädikat „besonders finster“ genießen möchte, dazu eine audiovisuelle Reise in den südeuropäischen Gebirgsstaat machen möchte, der liest bitte weiter.

Der in Banja Luka, Bosnien und Herzegowina, geborene Slobodan Kajkut ist seit den 90er Jahren als kontemporärer Komponist mit Schwerpunkt „unheimlichen, dunklen Soundcollagen“ tätig. Als Hochschulabsolvent „Klassischer Zeitgenössischer Kompositionen“ beschäftigt er sich tiefgreifend mit experimenteller Musik, ganz egal ob solo oder ganz klassisch im Orchestergraben, ob elektronisch-analog oder handgemacht mit Gitarren. Voll und ganz der Musikobsession fröhnend ist Kaijkut, der seine Wahlheimat in Österreich gefunden hat, als Drummer, bei der Grazer Artrock-Formation THE STRIGGLES aktiv, die sich zum beschiedenen Ziel gemacht haben, nur die beste Musik zwischen CAN, SONIC YOUTH und CAPTAIN BEEFHEART zu spielen. Kleiner Anspieltipp nebenbei. Kajkut ist aber einer dieser umtriebigen Künstler, die gar nicht genug von kreativen Kollaborationen haben können, so ist er ebenfalls Mitglied des artifiziellen Projekts PORTA MACEDONIA und leiht DEINE LAKAIEN gelegentlich seine serbische Stimme. Auch bei der englischen Oldschool Industrial Band SLEEPING DOGS WAKE hat er seine kreativen Fingerchen im Spiel. Aber eigentlich sollte es an dieser Stelle ja primär um sein eigenes Soloprojekt KAJKYT gehen.

„II“ ist eine Zusammenstellung von acht Stücken, die mit monotonen, schweren Bassläufen atmosphärisch tief in düstere Kellergewölbe vordringen. Pure Isolation, Absolute Einsamkeit, entfesselte Entrückung vom Dasein sind die ersten Gefühle, die mir beim Hören der acht intensiven Dark Ambient-Stücke durch den Kopf gehen. Erst beim fünften Stück kommt beim Einsatz einer E-Gitarre und dumpfer Perkussion etwas Schwung in den Folterkeller. Durch die beatlastige Ausrichtung muss man den artverwandten Vergleich mit PORTISHEAD nicht scheuen. Interessant ist aber vor allem die Fokussierung und in den Vordergrund stellen seiner Stimme, gepaart mit dunklen Klangcollagen im klassischen LUSTMORD-Stil. Nach einer ersten 75-minütigen Single-Veröffentlichung konzentriert sich der Künstler auf „II“ auf eher songorientierte Strukturen, lässt mal Klangstäbe in Kirchengemäuern erklingen, dann schickt er seine Stimme durch einen effektvollen Tunnel und erzeugt so packende visuelle Background-Music der Zwischenmenschlichkeit, bei der sicher auch die traditionelle Folklore eine zumindest einflussgebende Komponente darstellt. Tief im Oldschool-Industrial der späten 80er zuhause bezeichnet KAJKYT selbst die Zusammenstellung dieser acht Tracks gar als „atmosphärische, dunkle Pop Songs“. Seine dunkle, sonore Stimme setzt er hier oft als zusätzliches Instrument ein und baut mit seinen Eigeninterpretationen alt-Byzatinischer Sprache darum herum mysteriöse Klanggebilde von hermetischer Schönheit (fies, von ihm die Texte im Booklet abzudrucken, denn wer beherrscht heute schon noch die Sprache des oströmischen Kaiserreichs?).

Stellenweise groovig tanzbar, dann wieder betörend rauschhaft und immer irgendwie magisch-ekstatisch gelingt dem Künstler auf „II“ eine hörenswerte Zusammenstellung eingängiger Voice-Electronics-Experimente mit verdaulichen Strukturen und latent depressiven Zügen.

(Dimitrios Charistes)

Format: 2LP/CDR/TAPE
Vertrieb: GOD RECORDS
 

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