ELIANE RADIGUE – Adnos I-III (3CD)

Eliane Radigue nimmt eine ganz besondere Rolle in der Experimentalmusik ein: zum einen ist sie eine der wenigen Frauen, die sich in der ansonsten (zumindest in der Wahrnehmung und aus Gründen, die ich auch mal gerne wissen würde) mit weiblichen Künstlern sparsam besetzten Szene befindet, zum anderen ist sie schon von Anfang an dabei und hat gleichermaßen Pionierarbeit geleistet und Referenzarbeiten hervorgebracht. Ihre Arbeiten gehen zurück auf die 50er Jahre, erste Veröffentlichungen erfolgten in den 60ern, ab den 70ern erstellt auf dem ARP Synthesizer, einem Modul-Synthesizer aus der Pionierzeit, gleichauf mit denen von Moog, im Gegensatz zu den noch immer erhältlichen Moog-Geräten aber wesentlich stärker in der Spezialistenecke verblieben, nicht zuletzt aufgrund der extrem geringen Stückzahl, in der er produziert wurde. Aber eben auch mit einem Soundappeal, das Zeichen gesetzt hat.

Eliane Radigue hat bis heute eine Vielzahl von Platten veröffentlicht, ohne eine der Künstler(innen) zu sein, die nahezu aus jeder Idee eine Veröffentlichung machen. Vielmehr scheint sie sich sehr stark mit der einzelnen Komposition auseinander zu setzen, bevor sie dann, ganz bewusst, diese als ein in sich geschlossenes und schlüssiges Werk veröffentlicht. Für Außenstehende ist ein solches Vorgehen mit Blick auf die musikalische Erscheinung von „Adnos I-III“ möglicherweise überraschend; die drei Teile entstanden nacheinander in den Jahren 1973-1974 („Adnos I“), 1979 („Adnos II“) und 1979-1980 („Adnos III“) und sind doch, in ihrer Soundästhetik und Komposition so nah, als wären sie in einem (zeitlich viel engeren) Guss entstanden. Der fast schon meditative Charakter des Gesamten, der Veränderungen und inneren Aufbau nur ganz allmählich preisgibt besitzt dabei jedoch, trotz des vordergründig im Raum stehenden Eindrucks des freien Fließens, an jeder Stelle eine wie selbstverständliche Konsequenz und stützt so ganz massiv die Vermutung, dass die vielen subtilen Veränderungen und Entwicklungen im Aufbau das Ergebnis einer ebenso konsequenten Forschungs- (in Bezug auf die Klangmöglichkeiten des Instruments) und Kompositionstätigkeit (bezogen auf ihren Einsatz im Stück selbst) sind. Und damit das genaue Gegenteil eines reinen Studio-jams.

Eine weitere Besonderheit ist der Sound an sich, der eine (immer wieder gern so beschriebene) analoge Wärme und Tiefe besitzt, die es erst(?) möglich macht, derartigen in sich ruhenden und dabei fast intim wirkenden Soundflächen mit einer Einzellänge jenseits der 70 Minuten zuzuhören. Und dabei, je nach Aufmerksamkeitsgrad, immer wieder neue Details zu entdecken, die sich in, hinter und unter dem vordergründigen Grunddrone verbergen. Inwieweit Eliane Radigues Beschäftigung mit tibetischen Buddhismus eine konsequente Folge von der Arbeit mit derartiger Musik ist oder umgekehrt eine derartige Grundhaltung den kompositorischen Zugang erst ermöglicht (hat), kann hier nicht eingeschätzt und daher nur als Detail benannt werden. Passen würde es in jedem Fall.

„Adnos I-III“ wurde bereits 2002 als 3 CD-Box auf dem Label Table Of The Elements veröffentlicht, die Neuveröffentlichung auf (nomen est omen; diesmal auf jeden Fall) Important Records jetzt im mehrfach Aufklappcover mit atmosphärisch sehr passenden Artwork plus auf historischem Material basierendem Booklett. Und über 210 Minuten in sich ruhender Soundskulpturen. Einfach perfekt.

(N)

Format: 3CD
Vertrieb: IMPORTANT RECORDS
 

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