CLADE – Holonic Sadism (CD lim.100)

Lust auf ne Kontroverse? Könnt ihr haben. Ich hab´ nämlich schlechte Laune. Das liegt gar nicht mal so sehr am zweiten Release des transatlantischen Trios CLADE (Schottland/Chicago), das hier auf „Holonic Sadism“ einschläfernden Drone-Ambient für Fortgeschrittene liefert (O-Ton Fan: Ich hör meinen Drone nur mit High-End-Kopfhörern! Dafür investiere ich schon mal 600 Euro! Die Miete kann Papi zahlen!„), sondern an der mutlosen Beliebigkeit, mit der durchschnittliche oder gar belanglose Veröffentlichungen mittlerweile in den Himmel gelobt werden. Glaubt man den unzähligen von Kompetenz beseelten Reviewern („Ich hab auf dem diesjährigen Swingfest den Sinn des Lebens gefunden. Er heißt „Drone“) entdecken sie heute in jeder zweiten Scheibe die absolute Offenbarung oder den Geheimtipp der Stunde. Sorry, aber das muss jetzt mal raus. Um CLADE tut mir das gerade nur bedingt leid – die sind ihre 100 handnummerierten Kopien sicherlich ohnehin schon los!

Es soll ja tatsächlich diese Die-Hard-Drone-Verfechter geben, die ihr ganzes Erspartes für den Backkatalog von Denovali, Dronerecords, HydraHead, Neurot und Southern Lord ausgeben, anstatt mal mit einem weiblichen Wesen einen netten Abend beim Italiener zu verbringen – und auch mal selbst zahlen, die siebzehntausendste Drone-Doom-Veröffentlichung kann nämlich noch warten! Genauso eine ist „Holonic Sadism“ übrigens geworden. Binnen drei Tagen irgendwann im Jahre 2010 in Chicago aufgenommen und jetzt als mystisches „Must-Have-Limited-Release“ für Sammlerfreunde angepriesen. Es soll ja Künstler geben, die arbeiten ganze drei Jahre an ihrem „Meisterwerk“. Gut, vermutlich entgeht mir hier gerade der Geheimtipp des noch jungen Jahres und es soll ja sogar in der BLACK-Mannschaft Verfechter geben, die „Holonic Sadism“ unter ihre Top Platten 2013 gevotet haben. Berechtigt. Freut mich. Weitermisanthropieren, aber bitte nicht schlagen liebe Drone-Polizei – alles subjektiv!

Okay zugegeben, in den besten Momenten dieses konzeptionellen Albums, welches sich dem Ausklang einer beschissenen Woche liefert (die Titel tragen bedeutungsschwangere Name wie Thursday III, Friday I, Friday II, Friday III, Saturday I, Saturday I, Saturday III (Long) ), klingen CLADE wie LOCRIAN, LUSTMORD, BORIS oder die ganz frühen EARTH-Platten. Die im Pressetext angegebene philosophische Inspiration erschließt sich allerdings bei mir nicht ganz – bitte beim nächsten Mal in der Promo erklären oder zumindest relevante Fakten nennen! Und bitte nicht falsch verstehen, ich stehe auf den Scheiß. Ja wirklich. Auch wenn ich mir bei Drone-Konzerten tatsächlich etwas mehr Aktionismus auf der Bühne wünsche, und eure MacBook Pros leuchten ja alle auch ganz fein im Dunkeln, aber könnt ihr vielleicht so was wie eine Show liefern, wenn ich hier schon rumstehe und mich vor meinen Freunden vor dieser „tiefere Kunst für einen kleinen selektiven Kreis“ rechtfertigen muss, aber egal… das ist die nächste Baustelle.

Was nimmt der kleine Grieche sich da eigentlich raus? Macht er einfach die großartigen CLADE fertig. Der hat doch keine Ahnung! Der soll lieber mal die Platten des griechischen Experimental-Labels „PROTOS OROFOS“ für BLACK besprechen. Wird er auch machen, nur Geduld! Vielleicht hab ich ja wirklich keine Ahnung, aber ich habe mir Mühe gegeben. Mehre aktive (und passive) Hördurchgänge liegen hinter mir, aber sorry… für mehr als Nebenbeschallung taugt diese „this promising drone-newcomer from Scotland with infinite drone-rays & landscapes with a philosophic inspiration, dark & shimmering at the same time“-Platte nicht. Dafür wässern die Stücke ohne dramaturgische Höhepunkte vor sich hin, „Friday II“ besitzt gar die Dreistigkeit und wartet sieben Minuten mit einem einzigen Ton auf, während im Hintergrund irgendetwas Unheimliches passieren soll. Sorry, aber hab mich beim Zuhören auf meinen eingewachsenen Fußnagel konzentriert – der ist weitaus gruseliger.

Und wisst ihr was? Bevor ich meine Zeit in weitere x-beliebige Veröffentlichungen investiere, höre ich mir lieber weiterhin die SUNN O))))-Diskographie an. Da bekomme ich den schwarzen Monolithen in perfekter Gestalt serviert. Boshaft, roh, (stellenweise) abwechslungsreich, aber immer true und evil. Den Willen, sich herabfallen zu lassen in die düster dräuenden Wogen des Drone Doom, den habe ich. Aber dann bitte mit Qualität, Wiedererkennungswert oder eben ganz klassisch, dem „gewissen etwas“. Und ja, für diese Meinung stehe ich tatsächlich mit meinem Namen!


(Dimitrios Charistes)

Format: CD lim.100
Vertrieb: EIGENVERTRIEB
 

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