SPIRITUAL FRONT – Black Hearts In Black Suits (CD)

Für die einen ist das Projekt um den polarisierenden Italiener Simone Salvatori und SPIRITUAL FRONT weitgehend unterschätzt, das eine wesentlich größere Hörerschaft verdient. Für die anderen sind SPIRITUAL FRONT die unsäglichen HIM, von Kitsch- und Pathos-Infizierten der Neofolk- und Dark Ambient-Szene. Auch auf ihrem mittlerweile sechsten Album „Black Hearts In Black Suits“ wird das zwischen Ambient, Neoklassik und Dark Cabaret pendelnde Projekt wieder die Meinungen spalten. Konzeptionell bedienen sich die Römer diesmal aus dem textlichen Fundus von Rainer Werner Fassbinders Gedichten, schaffen ein orchestrales Opus Magnum, welches mittlerweile längst als „Dark Opera“ klassifiziert werden kann. Eigentlich ein Neoklassik-Meisterwerk und stellenweise von Genialität befallener, zeitgenössischer Komponisationskunst, wäre da nicht das ewige kokettierende Selbstbild zwischen italienischer Macho-Attitüde und nicht notwendiger „Political Correctness“-Provokation der Akteure. Möglicherweise schlagen die Musiker aber mit ihrem aktuellen Album einen neuen Weg ein, wie bereits die als Einstieg gewählte, stimmungsvolle Kirchenchoreinlage „Requiem Aeternam“ verdeutlicht und die Richtung in Neoklassik-Progressivität und musikalischer Weitsicht ebnet.

Dominierten auf den Vorgängern „Armageddon Gigolo (2006)“ und „Open Wounds (2013)“ noch Akustikgitarren und düstere Neofolk-Passagen, übernimmt auf „Black Hearts In Black Suits“ vollgehend das Piano das Kommando. Das liegt vor allem an der erneuten Zusammenarbeit mit dem zeitgenössischen Klassikkomponisten STEFANO PURI, der bereits 2003 bis 2006 mit Salvatori kooperierte und neben der klassischen Musik, seine zweite Heimat in der Dark Wave und Gothic-Szene gefunden hat. Weiterhin schaffen das SYMPOSIUM-Ensemble und der DARK HEARTS-CHOR in ihrer atmosphärischen Gesamtheit ein zeitloses Werk mit festlicher Grundstimmung und organischen Symbiosen zwischen traditionellen Szene-Songwriting-Strukturen und der Hinwendung zu vollends klassischen Instrumenten, bestehend aus Streicherquartett, Trompeten, Oboen und Klavier. DEAD CAN DANCE und Worldmusic lassen grüßen.

Schwachstelle bleibt nach wie vor die Gesangsstimme von Salvatori, der seit den ersten unsäglichen Gesangsversuchen auf dem Debüt „Songs For The Will (1999)“ zwar seine Hausaufgaben gemacht hat, aber noch immer bemüht ist, die hohen Töne zu treffen oder gleich ganz zu vermeiden. Die herrlich-melodischen Streicher-Arrangements und eindringlichen Piano-Balladen machen das durch ihr melancholisches und stellenweise hochdramatisches Spiel aber wieder wett. Ohne Zweifel sind schwarzromantischen Balladen wie „Eternally Yours“, „No Forgiveness“ oder „Each Man Kills The Thing He Loves“ ganz große Gefühlsmomente, die an Vorbilder wie NICK CAVE („Murder Ballads“) oder DAVID TIBET („Soft Black Stars“) erinnern, stets aufgelockert mit theatralischen Piano-Interluden, schwermütigen Streichern oder dem Einsatz von Chören und Sopranstimmen. Im Presstext nennt der Künstler gar FRANZ SCHUBERT oder MARC ALMOND als weitere einzuordnende Referenzen.

Drei Jahre hat die Arbeit an „Black Hearts in Black Suits“ gedauert, in denen jede Note und jede noch so sekundäre Nuance ihren kalkulierten Platz gefunden hat. Die Entwicklung von Salvatori ist beachtlich, vergleicht man das aktuelle Werk mit den „Suicide Pop“-Anfangstagen, von dem eine deutliche Abkehr zu spüren ist. So sind SPIRITUAL FRONT meiner Meinung nach tatsächlich ein unterschätztes Künstlerkollektiv, welches eine intensivere Einordnung oder Beschäftigung erfordert. Für mich ist „Black Hearts in Black Suits“ mein persönliches Weihnachtsalbum geworden, das in den vergangenen Festtagswochen immer öfter seinen Platz auf dem Plattenteller gefunden hat und mit seiner majestätischen Aura und imaginärem Kerzenlicht Räume mit Licht und Schatten erfüllen kann.

Die von opulentem Größenwahn lebende Nihilismus Oper gibt es gleich in vier verschiedenen Formaten. Eine limitierte Box mit zwei CDs, Postkarten, Stickern, einem silbernen Herz-Anhänger und einem Stoffbeutel, der offiziellen Digipack-CD, einer auf 299 Exemplare kolorierten Vinyl-Fassung mit weiteren unveröffentlichten Songs, sowie einer ultralimitierten Edition (99 Stück) mit zusätzlichen Gimmicks, die das Fanherz höher schlagen lässt.

(Dimitrios Charistes)

Format: CD
Vertrieb: RUSTBLADE
Mailorder: Going Underground
 

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