ADRIAN UTLEY`S GUITAR ORCHESTRA – In C (CD/LP)

Obwohl viele, wenn nicht sogar die meisten Gitarristen (besonders innerhalb einer Band) den „Highlander-Modus“ bevorzugen (…“es kann nur einen geben…“) und sogar, selbst wenn sie damit konfrontiert sind in der klassischen zwei-Gitarren-Besetzung spielen zu müssen, diesem geheimen Ansinnen durch klare Regeln dennoch irgendwie zu entsprechen versuchen (heißt: beide spielen entweder die genau gleichen Instrumente und Verstärker oder extrem unterschiedliche), so scheint das extreme Gegenteil des „Highlander-Modus“, das Gitarren Orchester, erstaunlicherweise eines der Biotope zu sein, die diesen gitarristischen Individualismus ohne Grenzen außen vor und den Einzelnen willig in eine Gruppe Gleicher treten lassen.

Adrian Utley, am bekanntesten möglicherweise durch seine Arbeit mit Portishead, hat sich vor einiger Zeit der Komposition „In C“ von Terry Riley angenommen und ein Gitarren Orchester zur Aufführung zusammengestellt; 19 (un)bekannte Gitarristen neben ihm selbst plus vier Organisten und ein Bassklarinettist. In dieser Form entwickelt und erforscht er seine Idee des Stücks, das auf der immer und immer wieder wiederholten Verwendung von 53 durch Terry Riley komponierten Motiven beruht, die aufgrund ihrer harmonischen Nähe („In C“) beliebig kombiniert werden können (was Terry Riley auch genauso intendiert hat). Im Ergebnis steht ein Stück in der Tradition der Minimal Music, wie sie neben Terry Riley auch durch Steve Reich oder Philip Glass entwickelt wurde; eine Art Musik, deren vordergründiges Merkmal die geradezu loopartige Wiederholung kurzer Motive und ihre Überlagerung/ Abwechslung durch ebenso aufgebaute Variationen ist. Die Musik scheint dadurch in dauernder Bewegung, fast wimmelnd und kaum greifbar; durch den Kontrast der unisono gespielten Motive und ihrer soundlichen Erweiterung allein aufgrund der Unschärfen der Live-Einspielung durch eine derart große Besetzung fast flirrend…

Dennoch: gerade aufgrund der Konzentration auf extrem kurze Motive besteht die akute Gefahr des Verlustes an Wiedererkennbarkeit; was Melodie ist bzw. sein könnte, erscheint dem einen oder der anderen so möglicherweise eher als Fingerübung oder musikalisches Abbild einer Versuchsanordnung. Für die, die der Minimal Music folgen können dagegen ein faszinierendes Beispiel der Komplexität in der Einfachheit.

(N)

Format: CD/LP
Vertrieb: INVADA/CARGO
 

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