MERCURY – Miracle (CD/LP), EMMANUEL ALLARD – Nouvelles Upanishads Du Yoga (CD)

MERCURY  – Miracle (CD/LP; PLANET MU)

Beim ersten Hören klingt diese Scheibe klassisch nach 80er-Sound; Synthieklänge mit diesem leicht schwulen Touch, bei dem man sofort an spindeldürre, überschminkte Männer mit einer bedenklich positiven Einstellung gegenüber Haargel denkt. Schön, dass es so etwas noch gibt. Denn das Album „Miracle“ steht für zeitlosen Synthie-Pop, wie er in den 80ern erfunden und anschließend immer wieder neu interpretiert wurde. „Miracle“ ist ein sehr konsistentes Album. Die ganze Scheibe klingt so, als wäre sie in den späten 80ern irgendwo im Süden Londons zusammengestellt worden mit der klaren Absicht, auf der aktuellen Synthie-Erfolgswelle mitzureiten. Die Sounds sind erhaben, zeitlos und von einer abstrakten Schönheit. Trotzdem gelingt mit „Miracle“ ein erstaunlicher Bogen: MERCURY schaffen es, die zugegeben altbekannte Synthie-Ästhetik dank überzeugender Produktionstechnik in die Gegenwart zu heben. Da wo früher der Einsatz analoger Geräte State of the Art war, gehörten Unsauberkeiten im Sound-Design zum Markenzeichen. Man schob es dann gerne auf den ¨Geist in der Maschine¨. Dieses Element des Zufalls ist heute zum größten Teil der Präzision bitbasierter Softwareeinheiten zum Opfer gefallen. Die gewollte maschinelle Atmosphäre der Musik ist damit noch erkennbarer. MERCURY setzen auf diesen Effekt, versuchen aber die durchdigitalisierte Klangwelt durch sphärischen Gesang zu ergänzen. „Miracle“ ist ein schönes Synthie-Pop-Album, dem ein wahrer Höhepunkt fehlt und gerade deswegen als Album gut gehört werden kann. Absolut empfehlenswert für alle, für die Musik aus den 80ern Teil der Gegenwart ist.

EMMANUEL ALLARD – Nouvelles Upanishads Du Yoga (CD; BASKARU)

War Yoga eigentlich nicht etwas, was der Entspannung von Geist und Körper dienen sollte? Ein Wort, das in meinem Unterbewusstsein sofort mit unmenschlichen Verrenkungen begleitet von unerträglichen Walgesängen assoziiert? Emannuel Allard setzt solchen Klischeegedanken mit dem Album „Nouvelles Upanishads Du Yoga“ klar ein Ende. Statt Harmonie setzt er auf Frontalangriff, überzieht den Hörer mit unterschiedlich heftig ausgeprägten Arrangements an Noise-Texturen, die herausfordernd sind – also eigentlich das Gegenteil von Yoga. Eins ist sicher: es gibt auf die Nuss und das nicht zu knapp. Den Hörer erwarten viele Minuten voller Ups and Downs, kakophone Konstruktionen die sich abwechseln mit organisch anmutenden Flächen, die wenig Platz lassen für Ablenkung. Allard präsentiert hier keine Musik, in die man sich bedenkenlos fallen lassen kann sondern harte Kost, die trotz dem minimalen Einsatz von Klängen dem Hörer maximal viel abverlangt. Man kommt an seine Grenzen, geht darüber sogar ein bisschen hinaus um Emmanuel Allard folgen zu können und wird belohnt mit der Erkenntnis, dass auch mit wenigen Klängen viel erreicht werden kann.

(S.Kummer)

 

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