TIM HECKER – Virgins (CD/LP)

Tim Hecker hatte in der jüngeren Vergangenheit seinen Outputlevel etwas angezogen, durch „Dropped Pianos“ als Begleiter zur „Ravedeath, 1972“, durch seine Kooperation mit Daniel Lopatin („Instrumental Tourist“), das Ganze noch verstärkt durch die Wiederveröffentlichung der „Mirages“; erstmals auf Vinyl.

Mit seiner allerneusten, „Virgins“, geht Tim Hecker, da sind sich fast alle einig, zumindest in der Tendenz neuere Wege: die Grundlagen wurden von einem kleinen Ensemble aus Musikern der sogenannten „Bedroom Community“ instrumental eingespielt (genannte Musiker: Ben Frost, Grímur Helgason, Kara-Lis Coverdale, Paul Moore, Valgeir Sigurðsson) und erst aus diesen Passagen hat Tim Hecker dann in einem zweiten Schritt die eigentlichen Stücke entwickelt (wobei die interessante Frage in der Luft hängt, wer die instrumentalen Passagen vorab komponiert hat, bzw. welchen Einfluss darauf die fünf Musiker möglicherweise hatten). Im Ergebnis liegt jetzt eine Platte vor, die den akustisch dominierten, atmosphärischen Minimalismus der „Dropped Pianos“ mit den typischen Multischicht-Kompositionen von Tim Heckers bekannten Veröffentlichungen verbindet, einschließlich der auf diesen prägenden, teilweise heftigen Manipulationen in Sound, Lautstärke, Filterung etc…

„Virgins“ ist aber auch bockiger, störrischer: weder baut die Platte eine der „Dropped Pianos“ entsprechende atmosphärische Grundhaltung auf, die die Hörer ab dem ersten Ton schon rein stimmungsmäßig auffängt (und ebenso festhält), noch bauen sich die überwältigenden Distortionflächen der Vergangenheit auf, die auf ihre Art ähnliches vermögen; besonders auch, weil sie mit ihrem harmonischen Aufbau fast immer eine verführerische Sogwirkung entstehen lassen können… „Virgins“ wirkt dadurch (trotz akustischer Instrumente) kühler, manchmal sogar fast technischer, weniger zum Eintauchen als die Solo-Veröffentlichungen zuvor. Und vielleicht liegt dies auch am Grundsound der Einspielungen(?), oder einem stärkeren Respekt vor diesem in der Nachbearbeitung, zumindest was deren Grundsound betrifft. …ich bin mir (auch deswegen) auch noch nicht sicher, wie ich „Virgins“ innerhalb des bisherigen Oeuvre einordnen will und wie sehr sie mir gefällt. Oder auch nicht, ehrlich gesagt.

(N)

Format: CD/LP
Vertrieb: KRANKY/CARGO
Mailorder: Going Underground
 

Stichworte:
, , , , ,