DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND – The Cosmic Trigger (CD)

Schluss mit den Kontroversen. Lange genug provoziert. Die Militärästhetik ist längst passé. Ab sofort dominieren Kräuter, Transzendenz und Zaubertränke das Geschehen. Wahrscheinlich darf man „The Cosmic Trigger“ schon als okkultes Hippietum bezeichnen. Das Wiener Langzeitprojekt DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND macht den Hattrick und reiht sich mit „The Cosmic Trigger“ stilistisch in die Entwicklung seiner beiden vorangegangenen Werke ein. Psychedelic-Rock trifft auf Doom trifft auf Industrial-Klänge trifft auf Neo-Folk. Und auch eingängige Pop-Momente finden verstärkt den Weg in die Musik.

Hohepriester Albin Sunlight Julius spielt mit den Erwartungen seiner Anhänger. Die großen Fragen in Szenekreisen: War der zuletzt eingeschlagene Weg von halluzigenem Psychedelic Rock nur eine Phase oder entwickelt sich die stets wandelbare Band wieder zurück zum marschverherrlichenden Industrial mit Militarismus-Fetisch und Uniform-Ästhetik? „Cosmic Trigger“ vereint aus allen Stilrichtungen nur das Beste aus Julius kreativem Geist und präsentiert sich selbstbewusst mit reichlicher Hitdichte.

Eröffnet wird das Spektakel mit dem neunminütigem Titeltrack, das längste Stück auf dem Album, und gefällt vor allem durch seine mystischen URFAUST-Orgeln und weiblichen Backing-Vocals. Die elektronische Variation des Stücks folgt an dritter Stelle .Vorher gibt es aber noch schwarzen Synthie-Pop mit Low-Fi-Gitarren und Todesmessen bei „Sacred Mountain“. „A Terrible Place“ könnte gar auf dem aktuellen BLACK SABBATH mit schweren Doom-Riffs zu finden oder von momentan angesagten Teufelsanbetern wie ORCHID, UNCLE ACID AND THE DEADBEATS oder ELECTRIC WIZARD gespielt sein. Eine Hommage an die eigenen alten Tage gibt es mit „Walking In Straight Lines“, welches Fans der älteren Werke sicher wieder die Stiefel aus dem Schrank holen lässt, um mit militärischem Gestus vor dem Spiegel die Zugehörigkeit zu demonstrieren. Leider nur ein kurzer Retro-Moment. Stilistisch und inhaltlich ist vor allem viel Naturmystik zu finden, die wohl den weiteren Werdegang des Projekts vertieft und in der ohrwurmträchtigen Waldhymne „Follow Us Instead“ seinen Höhepunkt erfährt. In Interviews äußert sich Julius immer positiver über die Rückbesinnung zur Natur und seinen Umzug in die Wälder fernab der österreichischen Hauptstadt. So lange dabei kreative Alben wie „Cosmic Trigger“ oder „The Story About the Digging of the Hole and the Hearing of the Sounds from Hell“ von 2011 entstehen, soll uns das nur Recht sein.

Wer DER BLUTHARSCH übrigens noch immer in die rechte Ecke drängen will und vergangene Kollaborationen mit DEATH IN JUNE überbewertet, der verpasst ein intensives Album, welches sich zwischen den Stühlen gemütlich gemacht hat und bei all dem Schwarz ein wenig Farbe in die Kunst lässt. Das expressionistische Coverbild verdeutlicht die neue (Marsch)-Richtung deutlich. Fazit: Großartiges Album für Psychedelic-Fans mit dem Hang zum Morbiden.

(Dimitrios Charistes)

Format: CD
Vertrieb: WKN
Mailorder: Going Underground
 

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