WINDHAND – Soma (CD/2LP)

Relapse Records schickt mit Windhand passend zur baldigen dunklen Jahreszeit einen feinen Schmankerl in Sachen psychedelischen Stoner/Doom/Occult Rock an den Start. Die Amerikaner präsentieren mit „Soma“ nach dem selbstbetitelten Debüt und einer Split mit den Sludgern von Cough ihr zweites Album auf dem renommierten Label. Und diese Platte hat es wahrlich in sich. Man schwelgt dank unglaublich hypnotisch doomiger Stonerriffs und der markanten Sangesstimme der Fronthexe Dorthia Cottrell in geisterhaften Zwischenwelten. Aufgrund des sehr stimmigen Covers, das eine Hütte in einer menschenleeren Waldgegend in schemenhaften, geisterhaft nebulösen grauen Tönen zeigt, darf sich der Hörer visuell und letztlich auf sehr einnehmende Weise auf eine mystisch-okkulte Reise begeben. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran, dass diese Sogwirkung voll aufgeht, hat die Frontfrau mit ihrem beschwörend, manchmal Ozzy-liken, aber auch an Ex-The Devils Blood Fronthexe Farida Lemouchi erinnernden Gesang.

Dramaturgisch weiß das Album vom Aufbau dynamisch zu punkten, schafft man doch mit den ersten drei kraftvollen Einsteigern „Orchard“, „Woodbine“ und „Feral Bones“ den perfekten Einstieg, weisen fuzzy Stonerriffs kraftvoll den Weg durchs menschenfremde Walddickicht, finden dann überraschend mit dem vierten Song einen absoluten Soundgegenpol, weisen doch fragile, folkig sowie balladige Töne auf sehr betörende psychedelische Weise der Sonne Einzug ins düstere Waldesdunkel.Hier erreichen Windhand die Genialität der großartigen Hexvessel, die zuletzt mit dieser Art folkig inspirierten Progsounds zu gefallen wussten.

Was Windhand mit den beiden Feedbacklastigen-ultraslowen Rausschmeißern „Cassock“ und zuguterletzt mit dem 30-Minüter „Boleskine“ auf den bereits im Delirium wabernden Hörer hetzen, ist nicht von dieser Welt. Hier lässt man dronig heavy, völlig drogenumnebelt Soundwände das große Pentagramm anbeten, dass es eine wahre Freude ist, schafft man es auch eindringlichste Weise, Doom Metal Jünger und Freunde psychedelisch, ausufernden Dronerocks zu beglücken. Wo in „Cassock“ zum Ende hin ins instrumentale gedriftet wird, mit variabel aufbrausendem Drumming und schleifenden Riffs eine Gitarrenwand die nächste aufbaut und einstürzen lässt, lebt der Ultralongtrack „Boleskine“ sein ganz eigenes Kino.

Fängt man mit einem einfachen Akustikthema und Sturm-Samples nächtliche Szenarien ein, steigert man sich nach wenigen Minuten wieder in urgewaltige Doom/Stoner-Riffs hinein, bis eine weinende Leadgitarre und der wiedermal sehr predigende Gesang der Frontdame ein Szenario aus Kerzen, okkulten Räumlichkeiten und allerlei spirituellem Accessoires vor des Hörers Auge erscheinen lässt. Mittendrin wird der 30-Minüter erneut aufgebrochen, durch diese feinen nächtlich anmutenden Akustikparts, nur um dann wieder heavy die volle Schlagseite zurückzuerobern und das mit feinen wabernden Leadgitarrenmustern. Man lässt von der Dynamik nichts anbrennen, es will trotz dieser Längen zu keiner Sekunde die Aufmerksamkeit verloren gehen.

Dazu sind die Riffs einfach zu bindend und man weiß mit herrlich okkulten Feeling/Melodien diese frühe Black Sabbath/Pentagram Intensität mit neuzeitlich fetten Stoner/Sludge Riffs zu kreuzen und ragt damit aus dem zuletzt manchmal doch sehr großen Einerlei an Veröffentlichungen in diesem Bereich heraus. In jedem Fall schon einmal ein Gradmesser für weitere Veröffentlichungen im kommenden Herbst/Winter.

(R.Bärs)

Format: CD/2LP
Vertrieb: RELAPSE
 

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