HOLY SONS – My Only Warm Coals (CD)

Die HOLY SONS tragen die Last der Welt auf ihren Schultern, so viel ist bereits nach den ersten Minuten ihres schwermütigen Singer-Songwriter-Gitarrenpops klar. Zwei tiefe Männerstimmen murmeln melodiös ihre Nöte ins Mikrofon, musikalisch steht brummend und dröhnend die Bassgitarre im Vordergrund, die E-Gitarren kommen fast schon virtuos, aber deswegen nicht weniger schleppend zum Einsatz, und außerdem ist hier Leise mal wieder das neue Laut. Die HOLY SONS sehen sich zudem nicht gezwungen, sich zwischen Folkrockanleihen und dem Einsatz von Synthies zu entscheiden, ein Ansatz, der dem Album einen entschieden experimentellen Charakter verleiht. Als Referenz kommt P. J. HARVEYs Album „Dry“ in seinen ruhigeren Momenten ebenso infrage wie MADRUGADAs sanftere Phasen oder die ersten Platten der LAURA VEIRS, was die knarzenden Gitarren und die Pose betrifft. Bei aller finsteren Pose sind HOLY SONS jedoch vor allem eins: Laid Back wie J. J. Cale, eine Haltung, die sich mit dem Zurschaustellen von Weltschmerz nur solange widerspricht, bis man „My Only Warm Coals“ zu hören bekommt. Die entspannte Grundstimmung des Albums gleicht die Finsternis und Schwermut des Gesangs und der Texte wohltuend aus, und so bleibt der Hörer bis zum Ende des Opus am Ball. Die HOLY SONS verstehen es, auf geschickte Weise die vorgefundenen Elemente des Düster-Rocks aufzugreifen und neu zusammenzusetzen zu einer knochentrockenen Mischung, die experimentell genug ist, um innovativ genannt zu werden, die aber gleichzeitig auch aufgeschlossene Hörer von Bands wie TURIN BRAKES oder den frühen STARSAILOR begeistern könnte.

(M.Reitzenstein)

Format: CD
Vertrieb: IMPORTANT/CARGO
 

Stichworte:
, , , , , ,