HEBRONIX – Unreal (CD/LP)

Erinnert sich noch jemand an den 2011-Hype um das zusammengewürfelte Kollektiv Yuck? Ja? Gut so, war schließlich wirklich eine gute Slacker-Rock-Platte, die Robert Stadtlobers Indie-Trödelmarkt Gary nie schreiben werden. Nein, kennt ihr nicht? Auch nichts verpasst, denn Gründungsmitglied Daniel Blumberg ist längst auf Solopfaden unterwegs und produziert als Hebronix Lo-Fi-Garage-Rock für 90er-Jahre Nostalgiker.

Was ist das jetzt eigentlich? Eine EP, ein Album? Sechs Tracks mit einer Durchschnittslänge von acht Minuten, dazu eine krakelige Kinderzeichnung als Cover, ein wenig Kryptik über instrumentale Texturen im Promoschreiben. Da glaubt man auf den ersten Blick auf ein neues Werk von Mastermind David Tibet gestoßen zu sein? Aber falsch gedacht, wer reinhört bekommt robusten Garage-Rock der alten Schule und Geschichten eines waschechten Slackers mit Adam Green-Gedächtnisfrisur, der es in Bandkonstellation nie lange aushält. Produziert hat „Unreal“ der US-Gitarrist und Songwriter Neil Hagerty, den einige in Form seines künstlerischen Schaffens als Royal Tux oder The Howling Hex kennen werden.

Eine Randbemerkung ist sicher noch die Videoperformance zum Song „Viral“ indem Stacy Martin (Hauptdarstellerin in Lars Von Triers kommendem Skandalwerk „Nymphomaniac“) und Sonja Kinski (ja, die Sonja Kinski) sich den albtraumhaften Spiegelei-Visionen von Regisseur Michael Reich stellen. Selbstverständlich alles Low-Budgetk-Ästhetik. Lang lebe der Einklang von Image, Kunst und Subkultur.

Warum so viel Hintergrundgeschreibsel und kaum Fakten zur Musik? Naja, weil „Unreal“ wohl eine Platte ist, auf die niemand so wirklich gewartet hat. Die sechs Stücke sind ein Potpourri aus mal fuzzigen, mal fiedelnden E-Gitarren, verzerrten Synthie-Samples im Hintergrund und ettlichen My Blood Valentine, Dinosaur Jr. oder auch Kurt Ville-Referenzen. Viel Improvisationskomposition, viel Lo-Fi und eben ganz viel 90er-Jahre Sadcore-Pop á Chokebore. Langweilig ist das nicht, aber auch nicht bahnbrechend, eben handgemachter solider US-Indie-Rock der sperrigen Schiene.

45 Minuten ebnet sich der Künstler seinen Weg durch… ja, was eigentlich? Klar, ab und an dröhnt es schön und wenn im Titelstück „Unreal“ auch mal Flöten erklingen, kann das auch Spaß machen, aber irgendwie wirkt die Platte extremst unfertig. Wahrscheinlich soll das aber so sein und ich Kulturbanause habe mal wieder nichts verstanden.

Wer oben genannte Bands schätzt und auch die ein oder andere Pavement-Platte in seinem Regal stehen hat, der kann bei Hebronix einen Hördurchgang wagen. Auf Nummer sicher wäre Blumberg gegangen, hätte er lieber seiner ehemaligen Hauptband Yuck die Treue gehalten, denn mit Hebronix gelingt der Hype-Effekt sicher kein zweites Mal.

(Dimitrios Charistes)

Format: CD/LP
Vertrieb: ATP
 

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