BARN OWL – V (CD/LP)

Manchmal hat eine Platte keinen Titel; trägt einfach nur den Namen der Band. Und das nicht etwa bei einem Debüt, mit dem sich eine neue Band vorstellen möchte, sondern mittendrin. Um eine Neudefinition zu markieren, um anzuzeigen, dass man sich (wieder) gelotet hat.

Aber selbst wenn Barn Owl für “V” keinen epischen, von sich aus bereits Atmosphäre ausstrahlenden Titel gewählt haben, ist dies doch nicht als Zeichen zu lesen, dass das Duo damit völlig aus seinem bisher so überzeugenden musikalischen Konzept ausbricht, sich tatsächlich neu (er-) findet. Was sie auf “V” aber dennoch tun, ist die Soundfokussierung auf Gitarren (weiter) aufzubrechen und Tasteninstrumenten eine Rolle zuzuweisen, die weit über deren bisherige Funktion als atmosphärische Ergänzung hinausgeht. “V” scheint dadurch noch mehr zu schweben als die bisherigen Alben, auch wenn der Hallanteil in der Produktion und die weiteren Zutaten wie vereinzelte, rudimentäre Perkussion sich kaum verändert haben. Möglicherweise auch deshalb, weil Barn Owl diesmal ganz darauf verzichten, mit Hilfe von Verzerrung (der Gitarren) und Lautstärkeschub die fast doomigen Höhepunkte(?) zu erzeugen, die auf zwei der vorhergehenden Veröffentlichungen wie Berge eine Landschaft überragten. Eine Landschaft, die, lässt man sich nun durch das Wissen um die Herkunft der Band beeinflussen (oder die bisherigen Albumtitel) oder sei es tatsächlich über die musikalischen Atmosphäre vermittelt, gleichzeitig Weite und Verlorenheit, Trägheit und vollkommene Offenheit der Sinne ausdrücken kann. Gerade so, wie man sich die Erfahrung von Sonnenuntergängen über einer Wüste vorstellen mag… Hier, auf “V”, ist genau diese Stimmung ein weiteres Mal omnipräsent. Und obwohl ich die fast brutalen Twists der oben benannten “Berge” durchaus sehr zu schätzen weiß, kommt der Verzicht auf diese der fast unwirklichen Stimmung der Platte fast noch mehr entgegen. Auch wenn dadurch in den ersten Durchgängen die Gefahr besteht, dass die Fülle an Details, die jedes einzelne der sechs Stücke prägt ohne diese vordergründigen Haken, die in der Lage wären, Hörer aus nahezu jeder Ablenkung zu reißen unbemerkt vorbeizieht. “V” mag dadurch zunächst etwas unscheinbarer wirken als einzelne der Vorgänger; “V” lädt mehr ein, sich darauf einzulassen wo die anderen stärker zupackten; ein Qualitätsunterschied ist das nicht, eher eine Frage der Stimmung, welche der beiden Möglichkeiten im Moment verlockender erscheint.

Neben dem Downloadcode enthält ein Teil der Vinylauflage eine zusätzlich CD, die einen Ausschnitt aus einem Live-Auftritt im Jahr 2010 und die “Factory Sessions” aus 2013 enthält. Letztere überraschend raue Synth/ Modular-Synth Exkursionen, der Live-Mitschnitt dagegen der (zur damaligen Zeit) bewährte Barn Owl Standard.

(N)

Format: CD/LP
Vertrieb: THRILL JOCKEY
 

Stichworte:
, , ,