PALMS – s/t (CD/LP)

Dieser Platte eilte natürlich ihr Ruf weit voraus, treffen doch hier DEFTONES-Sänger Chino auf die ex-ISIS-Mitglieder Jeff Caxide, Aaron Harris und Bryant Clifford Meyer, die sich in dieser Konstellation zum Bandprojekt PALMS zusammenfanden, um letztlich, ja…irgendwie soundtechisch genau zwischen den Polen poppige DEFTONES meets drückender Postrock-Alternative Rock ein epochales Album zu veröffentlichen. Sechs Songs in knapp 46 Minuten sagt schon mal viel über den ausladenden Charakter der Musik aus, schafft man mit jedem Song prägnante hypnotische Soundmonster zwischen fünf bis neun Minuten, die mit oftmals herrlich perlenden Gitarrenmustern, schwebenden Keyboards sowie postrockig ausufernden Dynamiken glänzen. Chino wimmert wie zu besten DEFTONES-Momenten, vergisst aber nicht die typisch spitzen Schreie so zum Beispiel bei „Shortwave Radio“. Fühlt sich wie die letzte DEFTONES-CD an, nur mit weicheren, poppig epischen Elementen, was der Sogwirkung nur allzu dienlich ist. Ist der Opener noch ein klassisch verschleppter Alternativrock-Hit mit leise laut Dynamik im Refrain, so wird bereits im folgenden „Patagonia“ fast in Twin-Peaks artigen Melodien geschwebt, perlen die Gitarren glockenklar wavig, um sich dann zum Refrain hin wieder aufzutürmen, nur lässt man jede Pseudo-Heavyness, die so manches ISIS-Album prägten außen vor. Das ist Breitwand-Alternative in jeder Note, vollkommen auf Chinos Stimme ausgerichtet. Das flehende, weinerliche Element im Gesang passt perfekt auf die entrückten Soundkathedralen, haben die Gitarren jene geisterhaft, postrockig klaren verschleppten Melodien, die einen innerlich treiben, gar driften lassen…einfach nur träumerisch. Die beiden Rausschmeißer Tracks „Tropics“ und „Antarctic Handshake“ leben von wundersam balladigen Shoegaze infizierten Gitarren, in die man sich akustisch betten lassen kann – alles perlt, fließt und strömt durch ein Meer aus Wolken. Ich brauchte so meine fünf bis sechs Anläufe, da die anfänglich dichte kompakte Aura die einzelnen Höhepunkte verbarg, muss aber konstatieren, dass diese Platte wächst – von Durchlauf zu Durchlauf, sich nicht aufdrängen will und man in jedem Fall der melancholisch entrückten Atmosphäre viel Raum gibt. Jeder Song gewinnt an Substanz, einprägsame Melodien geistern durch den Äther, Chino glänzt alle Male und hier wird kein Namedropping genutzt, um Hörerscharen zu geißeln. Vieles erinnert mich an das seinerzeit interessante Projekt von M.Keegan (TOOL), A PERFECT CIRCLE, bei dem auch gestandene Alternativmusiker ein Ventil für getragenen, sehr auf Atmosphäre ausgelegten Sound zelebrierten, der aber einer gewissen Poppigkeit nicht abgeneigt war. DEFTONES-Fans sind hier wegen des Gesangs in der Pflicht, sollten aber trotz der drückenden schleifenden Gesamtaura nicht mit der Heavyness der Hauptband rechnen, findet man hier das luftig, verklärte Pendant in PALMS wieder…für Drifter an lauen Sommerabenden perfekt, da eher entrückt als düster.

(R.Bärs)

Format: CD/LP
Vertrieb: IPECAC
 

Stichworte:
, , , , , ,