RANGDA – Formerly Extinct (CD/LP)

Für das Aussterben einer Rasse gibt es, evolutionär betrachtet, meistens einen Grund: Veränderte Umweltbedingungen, natürliche Feinde und dergleichen mehr. Warum der versponnene Psychedelic Rock der Sechziger und Siebziger, mit seinen langen Gitarrensoli, Instrumentalpassagen und virtuosen Sperenzchen zum Untergang verurteilt war, ist aus Sicht des Punk klar – zu selbstverliebt und erstarrt in progressivem Stillstand erschien der Stil, gegen den man sich mit Drei-Akkorde-Songs und unbekümmertem Dilettantismus wehrte. Ein IRON BUTTERFLY tut sich tendenziell ja auch eher schwer mit dem Fliegen. Bis jetzt jedenfalls – denn: „In a gadda da vida, baby“? Bitte sehr, können wir haben; zumindest im Musikbusiness wird alles Totgesagte über kurz oder lang schließlich dem einen oder anderen Revival zugeführt. Formerly Extinct, jetzt schon wieder hier auf unserer Showbühne! Vom Dinosaurier, den RANGDA aus der Erde der Sixties ziehen, ist allerdings bis auf das beinharte Skelett nichts übrig – die Band besteht aus zwei einander zuspielenden E-Gitarristen (Ben Chasny und Richard Bishop) und einem Drummer (Chris Corsano); im Gegensatz zu den Vorbildern vergangener Zeiten verzichten die Drei auf den Einsatz von Schweineorgel und anderen Spielereien. Am Anfang mag das ja noch Spaß machen, der erste Track geht, mit Verlaub, ganz gut ab, doch schon ab Titel zwei glaubt man nicht mehr an evolutionäre Unfälle, wenn man Gründe fürs Aussterben des Untiers Psychedelius Rockensis sucht: Chasny und Bishop gniedeln sich gnadenlos durch eine saurierknochenlange Midtemponummer, die wohl nur für absolute Genre-Freaks die Spannung halten kann. Ein Aufatmen, wenn nach etlichen Minuten das gleichförmige, nur minimal variierte Gitarrenmotiv endlich unvermittelt abbricht. Was kommt dann? Mehr vom Gleichen; Virtuoses, Verschachteltes, Psychedelisches halt, das mit sägenden Gitarren arg sägt an den Nervensträngen – jedenfalls an meinen. Schepperndes Schlagzeug, kein Gesang nirgends, ein Track reiht sich unterschiedslos an den nächsten. Besonders, da auf dem Cover gleich zwei davon abgebildet sind – auch noch Rücken an Rücken! – liegt der ketzerische Schluss nah, es solle dem Hörer mit „Formerly Extinct“ der ein oder andere Bär aufgebunden werden. Gut gespielt ist das schon – soviel muss man der Band am Ende lassen. Aber wer bereits die obskureren Platten der GRATEFUL DEAD nicht ertragen konnte, auf den wird auch RANGDAs Album wirken wie ein Fossil aus längst vergangenen Tagen, das einfach nicht überlebensfähig war.

(M.Reitzenstein)

Format: CD/LP
Vertrieb: DRAG CITY/ROUGH TRADE
Mailorder: Going Underground
 

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