GREG HAINES – Where We Were (CD/2LP)

Greg Haines neues Album „Where We Were“ erzählt eine wahrhaft facettenreiche Geschichte, verbindet musikalische Geschichte(n) mit der Gegenwart und ist trotzdem(?) wie aus einem Guss. Sich auf minimalistische, monoinstrumentierte Kompositionen zu konzentrieren und so ein fokussiertes Werk abzuliefern ist das eine; das gleiche Ergebnis erzielen zu wollen, wenn man zwischen Pianokargheit, Ambient und Proto(Dub)Techno wandelt, ist dagegen mindestens herausfordernd.

Greg Haines hat sich dieser (selbstverordneten) Herausforderung gestellt und collagiert diese Einflüsse(?) und Ideen über die gesamte Albumlänge. Es fällt dabei schwer, ein Stück herauszustellen; faszinierend die Tatsache, wie „Where We Were“ mit jedem Hördurchlauf enger zusammenwächst, zwingender in der Einheit seiner Vielfalt wird. Soundästhetik und harmonische Vorlieben von Greg Haines mögen auf der eher technischen Seite als Gründe dafür zu nennen sein; die Atmosphäre über „Where We Were“, der Ausdruck, den die Veröffentlichung den Hörern als Ganzes übermittelt sind aber (vermutet) die weitaus stärkeren Gründe für die Anziehungskraft der Platte. Greg Haines setzt sein zentrales Instrument, das Piano, dabei auf zwei Ebenen ein: Als leicht zu identifizierendes Leitinstrument, das Melodien und Motive trägt und als Rohmaterial für die hintergründigen Atmosphären, wo neben anderen Tasteninstrumenten und sonstiger Elektronik eben auch Cluster von Pianotönen aufgebaut werden. Zum Teil kaum noch als solche zu identifizieren, insbesondere bei den Stücken, die durch den Einsatz von Delays und/ oder Rhythmik per Drummachine stark in Richtung Dub-Techno arbeiten; so, als hätte Greg Haines mit Stücken wie „Something Happened“ seine zeitgemäße Version des Berlinsounds der 90er entwickeln wollen. Nur um dies im folgenden „So It Goes“ in einem sich immer weiter öffnenden Ambientstück mit einer Stimmung gleichzeitig zwischen Sonne und Trauer wieder wie selbstverständlich aus dem Club herauszuholen.

„Where We Were“ ist ganz auf einer solchen Dualität aufgebaut und, wie schon angedeutet: das Geheimnis ihrer Überzeugungskraft ist, dass die Veröffentlichung nicht etwa in diese beiden Haltungen zerfällt; die Stücke sind nicht nur (oft) ineinander übergehend, sie gehören zusammen und werden auch so empfunden. Auch in der zweiten Hälfte, wenn Greg Haines (zumindest mich) durch die noch stärkere Einbeziehung von Dub und bestimmten Soundpartikeln an die ersten Veröffentlichungen von Kit Clayton erinnert, der, gegen Ende der 90er Jahre besonders mit seinem Debüt(?) „Nek Sanalet“ eine Art Weirdo-Elektronik-Dub entwickelt hatte. Aber, damit wir uns nicht falsch verstehen: „Where We Were“ ist alles andere als ein Nachspielen der Vergangenheit; Greg Haines schlägt hier, geplant oder unbewusst, einen höchst eigenen Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft und dieser trägt dann auch zu recht seinen, Greg Haines, Namen.

Und noch mal Dub, zum Abschluss: „Habenero“ und „Habenero (Version)“… Alles klar?

Format: CD/2LP
Vertrieb: DENOVALI/CARGO
Mailorder: Going Underground
 

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