AIDAN BAKER – Aneira (CD)

Es war natürlich nur eine Frage der Zeit, bis AIDAN BAKER, der ja auch schon einen Beitrag auf dem „Cryosphere“-Sampler, auf dem u.a. auch TROUM und THO-SO-AA zu hören sind und was die erste Veröffentlichung des Labels war, auch ein vollständiges Album auf Glacial Movements veröffentlichen würde. AIDAN BAKERs Sound, wenn ich mir mal zutraue, diesen etwas zu verallgemeinern, passt aufgrund seiner tendenziellen Flächigkeit und Getragenheit auch wirklich sehr gut ins Konzept des italienischen Labels. So ist dann doch fast überraschend, dass „Aneira“ erst im siebten „Lebensjahr“ des Labels erschienen ist, also hören wir mal genau hin, inwieweit sich das Warten gelohnt hat. Langsam und organisch dröhnend, hebt „Aneira“ (was das walisische Wort für „Schnee“ ist) an, so dass man schon fast versucht ist, ungeduldig den Lautstärkeregler nach rechts zu drehen, doch nach etwa zwei Minuten macht sich der überraschend warme Drone Sound hörbar und breit. Nicht zerbrechliche, kristalline Strukturen, sondern die Masse und potenzielle Gewalt des Schnees stehen hier musikalisch im Mittelpunkt. „Aneira“, welches aus einem einzigen, fast 48-minütigen Track besteht, tritt uns indes nicht als monolithischer Block oder Lawine entgegen, sondern als vielschichtige Entität – oder sollte man einfach sagen: als komplexes Lied – wobei sämtliche Klänge von einer auf vielerlei Arten manipulierten 12-saitigen Gitarre erzeugt worden sind. So ertönen Klangschichten, bei denen man das Spielen der Gitarrenseiten noch vernehmen kann, bei denen etwas Zartheit zu vernehmen ist, wie rieselnder Schnee, und doch ist der „große Drone“ fast allgegenwärtig, der zwar auf- und abschwillt, aber eben dann doch die große Klangfläche/Soundscape, die für das Glacial Movements Label geradezu programmatische Schneelandschaft, ausfüllt. Viel organischer und harmonischer als Weißes Rauschen wird diese Schnee- bzw. Klanglandschaft in vielerlei Arten von weiß gemalt, nur ganz vereinzelt sind zaghafte, leicht spröde Akkorde zu vernehmen, vielmehr schiebt sich, wie gesagt, zumeist Schicht über Schicht, freilich ohne dass die Musik dabei zu einem Soundmatsch verschmilzt. Erst nach etwa 40 Minuten „großer Fläche“ rinnen Akkorde aus dem „großen Drone“, der Sound wird insgesamt leiser und ausdifferenzierter, die einzeln gezupften, schwingenden Saiten treten in den Vordergrund. Schneeschmelze oder frisch gefallener, leichterer Schnee? Was man sich zu diesem Soundtrack hinzuvisualisert ist natürlich jedem freigestellt, doch es ist Musik, die zum Träumen, Sinnen und Nachdenken einlädt, wer mag, kann sich auch dem „shoegaze“ widmen, bei aller Kältemetaphorik: Kaltlassen wird einen die Musik nicht, dafür ist sie zu gut. (flake777)

Format: CD
Vertrieb: GLACIAL MOVEMENTS
Mailorder: Going Underground
 

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