EAU-DC – Nr 2 (LP)

Nr. 2 des Schweizer Duos, die ihr Debüt 2010 auf Droehnhaus veröffentlichten; jetzt, 2013, auf Empiric Records, dem Droehnhaus Nachfolge-Label. Und nicht nur der Labelbetreiber bleibt seinen Prinzipien treu, Eau-dc tun dies auch. Diese Vermutung liegt schon nahe, bevor auch nur der erste Ton dieses neuen Albums gehört wurde, allein wenn der Blick auf das Cover fällt, das eine absolut stimmige Fortsetzung des Debüt-Covers darstellt. Mit dem Poster diesmal als Zusatz (bei den ersten 100 der 200 Kopien Auflage) und nicht als alleiniges Cover. Wobei letzteres dafür diesmal sogar von innen (!!!) komplementär bedruckt ist… Respekt (für dieses hintergründige Detail).

Eau-dc arbeiten auch weiterhin auf einem nicht einfachen Gebiet: elektronische Musik mit Beats, aber ohne Clubaffinität (und, nebenbei, auch eher nicht zum Autofahren; dafür ist das hier zu hypnotisch; zumindest wohl für die meisten). Das Duo schafft es in dieser Situation, die dann schon fast zwanghaft angezeigte Downbeat/ Noir-Falle zu umgehen und entwickelt statt dessen rhythmische Grundlagen aus wie zerbrochenen Pattern, die ihren Zusammenhalt fast allein aus der Wiederholung schöpfen. Oder aus winzigen Details innerhalb der Zutaten, die dann eben doch helfen, das Metrum zu identifizieren. Und sie trauen sich auch noch, diese Rhythmen innerhalb der Stücke zu morphen. Ohne den Zusammenhang zu verlieren, natürlich. Die weiteren Zutaten sind im weiten Feld der elektronischen Musik keine Unbekannten: Flächen, Swells, Effektsounds – fast alles in einer wohldosiert verhaltenen Abschmeckung gesetzt, nahezu ambient; wie ein ruhiger, kontemplativer Gegensatz zu einer Rhythmik, die sich soundlich zwar vergleichbar verhält, in ihrer Beweglichkeit aber nicht viel von Begrenzungen hält. Abgesehen von der der absoluten Geschwindigkeit, die das Duo bei aller Fokussierung auf die Entwicklung komplex detaillierter Rhythmik stets im Grenzbereich zwischen Ruhe und Antrieb hält. Und mit „Esthuthat“ als Albumcloser sogar in der Lage ist, mit diesen Zutaten ein (vordergründig) ganz ruhiges Stück zu entwickeln, teils basierend auf Vocoder-Sprengseln, teils auf ebensolchen Gesang. Und erst wenn man wirklich ganz genau zuhört, möglicherweise mit Kopfhörern, offenbart sich, dass selbst dieses wie ganz in sich ruhende Stück auf einem dieser typischen, vertrackten Rhythmen basiert. Mit dem kleinen Unterschied, dass in diesem Fall statt der vorher verwandten Perkussions- und Effektsounds ein kaum hörbares Knistern die Soundquelle für die Beats darstellt.

Auch eine Art sich selbst und seinem Konzept absolut treu zu bleiben und dabei trotzdem Dinge zu ermöglichen, die auf den ersten Blick weiter außerhalb dessen zu liegen scheinen. Perfekt.

(N)

Format: LP
Vertrieb: EMPIRIC RECORDS
 

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