BURIAL – Street Halo/ Kindred (EP)

Der Grat zwischen Minimalismus und Langeweile, besonders in der Drum´n´Bass-Musik, war schon immer ein schmaler. Auf ihm wandelt auch das Projekt BURIAL – Gott sei Dank dann doch, ohne vollends auf die falsche Seite abzustürzen. Was die düsteren House-TripHop-Trance-Hybriden angeht, die sich auf „Street Halo / Kindred“ befinden, schafft die Band es gerade so, den Hörer bis zum Schluss bei der Stange zu halten – wohlweislich sind die sechs Stücke dann schon durch, bevor angesichts minimalistischer Drum-Lastigkeit und wabernder Keyboardflächen die ersten Ermüdungserscheinungen auftreten.

Eigentlich hätte diese Platte sowieso besser in die frühen Neunziger gepasst: BURIAL klingen wie ein beschleunigter Mix aus TRICKYs Frühphase, den dunkleren Momenten von MASSIVE ATTACK und der Sängerin von PORTISHEAD beim ersten Testen illegaler Substanzen, die ihr von SVEN VÄTH höchstpersönlich in die Hand gedrückt wurden. Man stelle sich vor, alle Genannten fahren gemeinsam zum Rave in einer zwielichtigen Lagerhallen-Location und beschließen spontan, die Belegschaft ordentlich mit einer kollektiven Jam-Session aufzumischen – voilá BURIAL: Ein Techno, der als House-Gebums dann im letzten Moment doch noch den Schwanz einzieht und sich stattdessen wieder winselnd in der Experimental- und TripHop-Ecke verkriecht, aus der er sich gerade erst wedelnd hervorgetraut hatte. Ach ja: viel Rauschen ist da im Hintergrund übrigens auch zu hören. Ab und zu säuselt die Sängerin was Idiosynkratisch-kryptisches ins Mikro – fertig!

Positiv fällt dann aber immerhin noch auf, dass bei allen Tracks eine gewisse Liebe aufs Detail verwendet wurde, statt einfach ein paar schnell zurechtgezimmerte Loops durchlaufen zu lassen. Außer den eher vertrauten Sounds der oben genannten Genres haben BURIAL noch ein paar interessante Extra-Klänge eingefügt, die sich definitiv nicht aus der Beat-Box des Drum´n´Bass-Quellprogramms speisen. So tut, was da an Beats, Breakbeats, düsteren Synthiesounds und gesampeltem Gesang zusammengeflickt wurde, zumindest niemandem weh; stillos ist es auch nicht gänzlich, kommerziell schon mal gar nicht; okay, dafür gibt´s auf jeden Fall ein paar Bonuspunkte. Aber angesichts all der einschlägigen Vorgänger, die schon Ende der Neunziger mit demselben Zeug wieder out waren, sucht man bei BURIAL vergeblich nach innovativen Ideen – da hilft auch der leichte Schwenk zum Düster-Pop letztlich nicht über den Berg!

(M.Reitzenstein)

Format: EP
Vertrieb: BEATNIK/CARGO
 

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