B°TONG/ EMERGE – Split (LP)

B°tong ist in der Experimentalszene schon länger unterwegs, genau wie Emerge; auf der vorliegenden Split-LP nutzen jetzt beide erstmals das gleiche Ausgangsmaterial, um daraus je ein gut 20minütiges Stück zu entwickeln; das ganze verpackt in einem Unikat-Cover von Tine Klink als 100er Vinyl-only.

B°tong übernimmt mit „First Kiss Of The Lady Of Initiation“ den ersten Teil der Split-LP und lässt zunächst einen klaustrophobisch dunklen Drone mit einer inneren, paradoxerweise verführerischen Melodie entstehen, der von sich dauernd wandelnden geräuschhaften Fitzeln begleitet und wie umschwirrt wird. Und die auch den längeren Atem haben, wenn nach gut sechs Minuten der Drone langsam abtaucht und sich die Hörer in einer (durchaus hörfreundlichen, wohlabgestimmten jedoch trotzdem:) Kakophonie aus ebendiesen Geräuschen wiederfinden, die aber trotz ihrer zersplitterten Basis über Soundästhetik, Setzung im Hörräum und B°tong’s Gefühl für Spannung ein zusammenhängendes Universum bilden. Mit, Überraschung, einer Art Meister mittendrin, der unverhofft Anweisungen, Beschwörungen oder Erklärungen abgibt. Und den Weg öffnet für die Wiederkehr des Auftakts; diesmal länger, intensiver, noch zwingender.

„Expulsion“ von Emerge erscheint im Vergleich zu B°tong’s Bearbeitung des (in Art und Weise unbekannten) Ausgangsmaterials in sich subtiler, in der Bearbeitung der Frequenzen aber ebenso intensiver; im Beginn zuerst leiser, fast wie abstrakte Schreie über verlorener Rhythmik, fällt „Expulsion“ in einen windenden Drone, der in unergründlichen Tiefen unterm Irgendwo zu Hause scheint und allein über völlig undurchschaubare Gänge und Stollen mit den Hörern verbunden ist. Erst im letzten Drittel deutet sich ein Wandel an; die (hier ebenfalls) klaustrophobische Enge und Unwirklichkeit verpufft beim Näherkommen und das Stück kommt wie harmlos näher… einschließlich einiger dieser Momente, die einen ruhigen Sofaabend vergessen lassen. Das Monster der Unterwelt ist also nicht weg, es stellt sich nur anders dar. Zumindest zeitweise.

Experimentalmusik fernab gemütlicher Drones; mit (scheinbar) großem Abstand zu „Musik“ und dennoch genau das; plus Spannung, plus Unvorhersehbarkeit… Und der Auftakt einer Reihe derartiger Splits, geplant vom Label Attenuation Circuit.

(N)

Format: LP
Vertrieb: Attenuation Circuit
 

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