MONO – For My Parents (CD/2LP)

Um´s gleich vorweg zu nehmen: Die Musiker von MONO tragen für meinen Geschmack etwas zu dick auf. Wer bei der Band ein durchschnittliches Menü bestellt, bekommt mit „For My Parents“ fünf hochkalorische Gänge (á fünf Instrumentalstücke in Überlänge) serviert, und dann noch dick Sahne oben auf den Nachtisch. Vor allem die üppige orchestrale Klassik-Verzierung mit ihren Pathos heischenden, dramatischen Spannungsbögen liegt noch lange nach Genuss schwer im Magen – da kann auch das leichte, diffizile Gitarrenspiel nicht mehr als Absacker räumen.Weniger wäre also mehr gewesen. Von der Masche, postrockende Gitarrenkompositionen von halben Orchestern begleiten zu lassen, haben wir zudem schon das eine oder andere Mal gehört, und auch wenn MONO damit (im Gegensatz zu jüngeren Nachahmern) vergleichsweise früh begonnen haben, wage ich zu behaupten, dass man mittlerweile vom derzeitigen Einheitsbrei der Post-Rock-Ecke doch ein bisschen übersättigt ist. Kein Wunder, wenn das immer alles gleich schmeckt – vielleicht mal die Gewürze variieren, wenn schon nicht die Zutaten? Wir haben langsam wirklich genügend Platten im Schrank, die klingen, als hätte man beim Klassik-Radio-Hören den Sender nicht korrekt eingestellt (huch, was rauscht denn da so im Hintergrund?). In dieser Hinsicht wird der Bandname leider langsam Programm – haben MONO etwa deshalb beschlossen, die neue Platte (dem Albumtitel zufolge) nur ihren Eltern vorzuspielen? Für Fans von MONO wird – und sollte – mein Gemecker kein Grund sein, „For My Parents“ nicht auf den Speiseplan zu setzen. Für sich allein betrachtet kann das Album durchaus bestechen anhand der Qualitäten, die man von der Band gewohnt ist. Nur beim Blick in die postrockende Tafelrunde könnte es aufgrund all der mittlerweile omnipräsenten klanglichen Doppelgänger zu schwerwiegenden Verwechslungen kommen.

(Markus Reitzenstein)

Format: CD/2LP
Vertrieb: TEMPORARY RESIDENCE/CARGO
 

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