OREN AMBARCHI & ROBIN FOX – Connected (CD/LP)

Oren Ambarchi hat über die Jahre seines bisherigen Schaffens nicht nur einen wirklich eigenständigen Sound (hauptsächlich mit Hilfe seines Hauptinstruments, der Gitarre) entwickelt, sondern dies in zahllosen Veröffentlichungen und Kollaborationen immer wieder bewiesen. Dass er auch noch Schlagzeug spielt; dass er neben seinem Sinuston-Trademarksound auch noch ganz andere Töne anschlagen kann, andere Soundästhetiken bedienen, all das sind die Geheimnisse, die sich erst denen erschließen, die sich in die Tiefen seiner äußerst umfangreichen Diskographie begeben.

„Connected“ ist eine Zusammenarbeit mit Laser-Artist und Computermusiker Robin Fox für ein australisches Tanztheater(!). Und auch wenn Oren Ambarchi -im Gesamteindruck- im Laufe seiner musikalischen Tätigkeit seinen fast skelettiert minimalistischen Sound immer mehr durch weitere, auch „akustische“ Instrumente ergänzt haben mag und seinen Soundkosmos damit zwar erweitert, aber auch weniger unverwechselbar gemacht hat; die Faszination für die originär von ihm entwickelten Sounds scheint auch bei ihm selbst ungebrochen, so dass er für einzelne Veröffentlichungen auch immer wieder zu diesem Kern zurückkehrt.

So (zumindest zum Teil) auch auf „Connected“, dessen Eröffnungs- und Titelstück zwischen cymbalartigen Sounds, Oszillationen und diesem gleichermaßen steril-präzisen wie warm-tiefgehenden Gitarrensetzungen pendelt. „Game Of Two“ dagegen erscheint wie eine Kreuzung dieses Sounds mit dem einer stark rückkoppelnden Gitarre; die so einzeln in den Raum gestellten und durch weitere, fadendünne Feedbacks(?) zusammengehaltene Akkorde erhalten dadurch eine sehr eigentümliche Soundgestaltung, irgendwo zwischen den unvereinbar erscheinenden Polen „abstrakt“ und „erdig“. Das folgende „Invigilation“ wirkt dagegen wie aus zwei Schichten grundsätzlich gegensätzlicher Natur bestehend: einem fast disharmonischen, orgelhaften Monster im Vordergrund und beweglichen, leichteren Schichtungen dahinter; beide ständig in Bewegung und Willens, die Oberhand zu gewinnen. „Standing Mandala“ greift mit seinem rhythmischen Gitarrenspiel fast zurück auf Motive von der 2006er Kollaborations / Split-12“ mit Lasse Marhaug / Hado-Ho; diesmal allerdings weit fragiler und weniger maschinell, während das abschließende „Trios“ aus reinem statischen Knistern eine auftürmende Kakophonie umherwieselnder Soundwirbel kulminiert und mit einem (gemeint ist ein einziger Schlag) Schlagzeugeinsatz beendet.

„Connected“ ist damit, jenseits seiner Funktion als musikalischer Teil für das Tanztheater, auch eine Art Kurzabriss Oren Ambarchis Soundkosmos; wenn auch möglicherweise nicht in seiner für Neulinge zugänglichsten Form, wirken die einzelnen Stücke aufgrund ihrer starken Unterschiede doch fast wie aus unterschiedlichen Veröffentlichungen herauskompiliert. Wen das weniger stört, erhält hiermit eine der Veröffentlichungen mit Oren Ambarchi, die es schaffen, den schmalen Grat zwischen zugänglicher Abstraktheit und räudigeren Klängen zu wandeln; ohne sich für eine der Seiten entscheiden zu müssen.

(N)

Format: CD/LP
Vertrieb: KRANKY/CARGO
Mailorder: Going Underground
 

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