WILLIAM FOWLER COLLINS – Tenebroso (CD)

Neues aus New Mexico – Neues vom William Fowler Collins. Nachdem der amerikanische  Soundbrutzler im letzten Jahr via Utech Records ein Split-Album mit Michael Bjella (GOG) veröffentlichte, hat er nun mit R.Lorens Handmade Birds-Label eine neue Basis gefunden. “Tenebroso“ erscheint dort in der “Dark Icons“-Serie, in welche sich vor kurzem auch LOCRIAN gemeinsam mit Christoph Heemann einreihten und zu der unter anderem bereits die wundersam schrulligen LOVELIESCRUSHING ihren Beitrag leisteten.

Der ursprünglich in New England-Beheimatete hat die Aufmerksamkeit der interessierten Hörerschaft vermutlich erstmals aufgrund seiner Type-Veröffentlichung “Predition Hill Radio“ (2009) auf sich gezogen. Zwei Jahre später veröffentlichte das englische Label “The Resurrections Unseen“. Collins zeigt auf all seinen Alben eine Form der Sublimierung diverser außermusikalischer (Bildende Kunst) und musikalischer Einflüsse. Er bedient sich dabei großzügig bei diversen Stilrichtungen, ob Drone, Ambient oder Noise. Dabei leuchtet sein obsessives Interesse an Sounds immer wieder durch die verschatteten und eingedunkelten Ambientpassagen. Abgeschabte Flächen werden bei ihm jedoch nie wieder- und wiederaufgeführt. Vielmehr – und davon legt “Tenebroso“ eindrucksvoll Zeugnis ab – sind seine Tafeln aufgerauht und angespant. Immer wieder brutzelt er kleinere Noisepassagen auf die dann schlonzigen Flächen – kurze, kräftige Ströme rauschen hier – knackige Röstaromen dampfen dort.

Darüber hinaus sucht er nach Impulsen und Zutaten, die als erklärte Gegenstücke des Schematischen fungieren. So steuert Faith Coloccia (MAMIFFER) Pianoakkorde auf “Scythe“ bei. RAVEN CHACON spielt auf “In Valleys“ die Knochenflöte und schließlich singt Claudia X. Valdes auf “Tapeta Lucida“. Zudem zeigen seine aus langen Improvisationen entstandenen Stücke, dass sie durch seine Strukturierungen an Dynamik und Eindringlichkeit gewinnen. Immer wieder wuseln einzelne oder später auch gebündelte Soundfetzen entlang der Flächen und belegen so das feine Gespür des Musikers. Collins unterrichtete ferner als Lehrbeauftragter an der Uni von New Mexico im Fachbereich “Sound Art“. Wohl äußerst selten finden sich im subkulturellen Zusammenhang derartig ideale Verquickungen von Broterwerb und leidenschaftsstarkem Ausdruck.

“Tenebroso“ offenbart sich als ein Werk, welches unablässig die eigene Kraft und die seines Schöpfers prüft. Bisweilen trübt und dunkelt es dergestalt ein, dass unschwer der Eindruck entstehen kann, hier feiere jemand mit finsterem Lächeln die mythische Bedeutsamkeit des Lebens. Dabei verliert sich “Tenebroso“ nicht in Nachbildungen von Beobachtungen, sondern zeigt, dass Collins hier handelnd mit seinen Eindrücken umgegangen ist. Der Amerikaner wirkt dabei wie einer, der sich im Spiel entdeckt, einer Mixtur aus hoffnungsfrohem Glauben an die nahenden Impulse und den forschenden Umgang sobald sich diese Anstöße entschleiern. Collins Blickrichtung ist klar nach vorn gerichtet, denn er weiß, dass die Gegenwart immer schon vorbei ist. Neben seinem handelnden Umgang mit den Impulsen zeichnet sich ein weiterer Umstand für seine prächtigen und geräumigen Klangwunderwerke verantwortlich. Sein Gelingen gründet sich in einer tiefen Erfahrung mit dem Unverantworteten. Er weiß, dass der Impuls sich nicht nur auf dem Pfad des Suchens finden lässt, sondern dass er bisweilen wie ein Überraschungsgast urplötzlich an die Tür klopft. All dies zeigt sich auch in seiner Technik des Anschlagens des schöpferischen Funkens.

Mit “Tenebroso“ lässt sich ein Eindruck des Großen erhaschen, das immer versucht, gut verborgen zu bleiben, um nicht auf den Jahrmärkten dieser Welt begafft und totgeschaut (+gehört) zu werden. Ein Primärer ist dieser William Fowler Collins, ein Aufwirbler, der es versteht, Wellen der dunklen Begeisterung an die Ufer namens Hörer schlagen zu lassen.

(S.L.)

Format: CD
Vertrieb: HANDMADE BIRDS
 

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