SCYTHLING – Smokefall (CD/2LP)

Aidan Baker/ Josh Rothenberger Langzeit-Kollaboration, begonnen 2008 als gemeinsame Studiosession, über die Jahre getrennt und mit Gastmusikern weiterentwickelt und letztlich 2012 als CD und Vinyl auf Aurora-Borealis. Ob möglichst schnell in einem Rausch, ohne die einmal eingestimmte Atmosphäre zu unterbrechen oder doch mit Bedacht und Überlegung, gerade im Musikalischen gibt es (durchaus zurecht) nicht selten die „First-Take-Vergötterung“, die da sagt, dass allein die erste Performance eines Stücks oder auch Teils davon wirklich in der Lage ist, die Emotionen widerzuspiegeln, die hinter dem Ganzen stehen Umso mehr natürlich, je mehr Improvisationscharakter, Experimentierwille usw. in dem musikalischen Konzept steckt… Und jede(r), der/ die schon einmal versucht hat, eine inspirierte Improvisation, deren erste Aufnahme aus technischen Gründen nichts geworden ist genauso gut zu wiederholen, weiß, was das für eine höllische Arbeit ist. Vor allem mit dem Wissen, dass fast immer die nagenden Zweifel bleiben, ob das „Original“, der legendäre First Take, nicht doch besser waren. Vielfach ist es dann eben besser, gar nicht zu versuchen, das Verlorene Zug um Zug nachzuarbeiten, sondern gleich in neue Richtungen zu gehen oder diese zumindest (mental) zuzulassen.

Scythling’s „Smokefall“ zeigt, dass dieser zweite Weg genauso packende Ergebnisse hervorbringen kann, wie der inspirierte First Take. Und das, wo das Ergebnis gar nicht so einfach zu fassen ist: drei lange Tracks, deren erster, „Crepuscular“, in seiner ersten Hälfte noch am ehesten die Nähe zu Nadja, Aidan Bakers härterer Spielwiese spiegelt; durch das Riffing, die Art der Drums und die quasi symphonischen Harmonics und Atmosphären hinter, über und unter den Riffs (das Lea Buckareff auch noch ihren Bass im Spiel hat, verstärkt diesen Eindruck nur noch mehr). Das Stück ändert sich nach diesem Beginn im Weiteren völlig, über eine knöchern-karge Reduktion hin zu einem bröckelnden Riffmassiv, bei dem die Gitarren fast allein sind und die Drums „nur noch“ in einzelnen Schlägen wie Explosionen vom Himmel fallen. Extrem düster und schon fast so Black (Metal) wie es im zweiten Stück werden wird.

„Smokefall“, diese #2, beginnt fast unschuldig, mit streicherartigen Sounds aus der Hallkammer, die von Gitarren erst untergraben und dann überrollt werden, plus düstere Atmospherics irgendwo ganz hinten. Bis kurz vor der Mitte die Geister des entlaubten Waldes ihre Stimme erheben und zu einer Stop+Go Tour-De-Force starten, die, im Vordergrund durch Gitarren, Stimme und bruchstückhaftes Schlagzeug getragen, ein ganzes Universum aus tiefster Schwärze in sich trägt.

„Gloaming“ schließt dann als das geisterhafte, unheimliche Stück den Release ab; mit stark verhalltem Gesang, der ohne Worte durch das Stück irrt und sägenden Gitarren, die sich erst ganz langsam aus dem Untergrund fräsen müssen, bevor sie auch dieses Stück in einen Twist schicken, der fast überraschend harmonisch ausfällt…

Definitiv anders als Nadja oder gar Aidan Baker solo. Eine unglaublich vielschichtige Kollaboration unter einer atmosphärisch bewusst eindimensional fokussierten Stimmung. Unvorhersehbar bei jedem neuen Hören; Killer-Album. Und (ein neues) bestes Beispiel, wie homogen und überraschend zugleich Collagen klingen können.

(N)

Format: CD/2LP
Vertrieb: AURORA BOREALIS
Mailorder: Going Underground
 

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