RITA RO – Renaissance (CD)

Das Foto der Künstlerin auf dem wein- oder blutroten Cover lässt sofort an ANTONY HEGARTYs verschollene Schwester denken: Verträumt blickt RITA RO mit wallendem schwarzen Haar zu Boden, weg von der sie in den Fokus nehmenden Kamera, in ihren Zügen meint man, etwas Männliches zu erkennen, die roten Lippen, die in der gleichen Farbe gehalten sind wie der Hintergrund, vor dem die Schöne posiert, scheinen ein unbestimmtes androgynes Versprechen zu geben. Beim Einlegen der CD merkt man dann schnell: RITA RO is not a musical prick-tease; sie hält, was sie verspricht. Die weingetränkte Romantik des Covers wird auf “Renaissance“ in Klänge überführt, und was für welche: Kaum zu glauben, dass das ein Debütalbum ist und nicht die routinierte Platte einer reifen Künstlerin!

Schwer zu sagen, in welche Schublade man die Musik stecken soll, am besten in gar keine, auf der schon ein abgegriffenes Label klebt; muss ja auch nicht immer sein und spricht dann meistens für die Musik. So auch in RITA ROs Fall. Die Songs klingen romantisch-melancholisch, aber auch hoffnungsvoll und verträumt, die bevorzugten Instrumente sind Klavier, Gitarre, Percussions und Synthesizer, und das alles wird von der Künstlerin eigenhändig bedient, obwohl sie – laut persönlicher Website – zu Beginn der Arbeit am Album nichts davon wirklich spielen konnte. Selbst wenn das nicht so ganz der Wahrheit entsprechen sollte, wäre “Renaissance“ immer noch eine reife Leistung. Musikalisches Vergleichsmoment wäre THE CUREs Album “Disintegration“: Auch hier haben wir üppige Keyboards, treibende Drums und süffige Melancholie zum Kerzenanzünden, Weinentkorken und Zurücklehnen. Und wie “Disintegration“ ist “Renaissance“ gleichzeitig detailverliebt-experimentell und doch auf Anhieb zugänglich. Der Aufforderung zum Schwelgen in Klavier- und Gitarrenmelodien kommt man gerne nach. Interessant auch RITAs Stimme: Ziemlich hoch und fast synthetisch klingend, ist sie am Anfang so gewöhnungsbedürftig wie die von ANTONY, auch wenn RITAs Bänder nicht tremolieren. Klingt zwar ein bisschen, als wollte die Sängerin von PAULA ein Cover von THE CURE aufnehmen, aber schnell wird deutlich, wie gut sich RITAs Gesang in den rotweingetränkten Klangkontext einfügt.

Um es noch einmal zu betonen: Vergleichbar ist dieses Debüt eigentlich nicht; zwischen KATE BUSHs früher Synthie-Piano-Theatralik und der dunkleren Seite der Achtziger findet es irgendwo seinen ganz eigenen Platz in einem ihm fremden Jahrtausend. Hinter dem Namen RITA RO verbirgt sich eine Künstlerin mit viel Begabung und Talent, die uns mit “Renaissance“ ein herrliches erstes Album beschert.

(M. Reitzenstein)

Format: CD
Vertrieb: EIGENVERTRIEB
 

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