NIHILL – Verdonkermaan (CD/2LP)

Niederländer sollen sie sein. Der vorliegende Lärmprügel namens “Verdonkermaan“ haut als letzter Teil einer Trilogie dem Hörer mächtig auf die Ohren. Waren die beiden Vorgänger “Krach“ und “Grond“ bereits knorrige und schwarz-metallisch beschlagene Dreschflegel, kann “Verdonkermaan“ unumwunden als Morgenstern bezeichnet werden.

Bass-Drum, Snare und Becken werden dabei aufs Gewaltigste bearbeitet. Selten verschleppen sich Tempo und Rhythmus –  durch die Mitte, durch die Decke heißt das Motto. Eisiger Rausch, gleich einem Schneesturm, beschleunigt durch die Doppelfußmaschine lässt erstarren. Die Growlings beschwören den Wolkenzuzug. Nacht ist es – bitterkalte, tiefe Nacht. Da lodert kein Hoffnungsfeuer, hier schmatzt es endzeitlich, während bereits die Vergangenheit verdaut wird. Zurück auf den Nullpunkt, ein Einfrieren dessen, was nicht verzehrt wird, Untermalung des toten Punktes, Abschluss des Bandnamens durch einen Doppelkonsonanten. Doch kein Mephisto, kein Luzifer oder Satan – kurzum kein Teufelchen wedelt hier mit der Forke. Der Dreizack und die Hörner lugen nicht aus den Lyrics hervor, die aus Improvisationen entstandenen Rifffolgen peitschen nicht ins überladen Alberne, sondern verhaken sich im Grusel des Wachtraums. Albdruck fesselt in dieses Bild des Abgesunkenen, Nachtmahr folgt auf Nachtmahr. Einst Blühendes, längst Verwelktes wird eingeschlossen in final erstarrte Kristalle. Innen, ganz tief vielleicht noch Lebensfetzen, gerade genug um bewusst die Schauerschau aufzunehmen und das Entsetzen im Eingeschlossensein zu spüren.

Ist diese Finsterwelt Ausdruck oder Fiktion? Abbild oder Konstrukt? Nun: dem einfrierenden und bleischweren Niederdruck dieses Eissturms kann man solcherlei Fragen nicht ansinnen. In seiner rauen und einfachen Direktheit schlägt “Verdonkermaan“ gleich einer Seelenpeitsche auf den Hörer ein, kämmt das Gehirn und zackt sich fest. Die aufgeworfene Frage lässt sich nur dahingehend beantworten, dass sich mit dem ersten Riff eine Fiktion von der Wirklichkeit ablöst und diese Fiktion ist eine beschworene. “Verdonkermaan“ unterstreicht, dass Existenz ein unerbittliches Rätsel ist. Dies thematisiert als ästhetische Erfahrung, lässt an Tiefe gewinnen. Entlang des Durchlaufs tritt aus dem Hintergrundrauschen, aus dem Schatten, etwas hervor, was schließlich die Frage aufwirft, woran man entschlossen glaubt. An “nihil” zu glauben, mag letztlich für manche wie ein Oxymoron klingen. Meint man jedoch die Niederländer von NIHILL, so erscheint mir das als eine gute Entscheidung.

(Zaun)

Format: CD/2LP
Vertrieb: HYDRA HEAD
 

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