DREAM INTO DUST – So Beautiful And So Dangerous (CD)

Ewig lang scheint es her zu sein, dass ich das Debüt “The World We Have Lost“ der Amerikaner DREAM INTO DUST das letzten Mal gehört habe. Diese Platte setzte sich seinerzeit im angesagten Industrial bzw. Neo Folk Genre gekonnt zwischen die Stühle, versprühte sie doch einen ganz eigenwilligen Charme, da der Industrial-angehauchte Dark Folk mit sehr emotionalen gothichaften Vocals nicht so recht zu den üblichen Genrevertretern passen wollte. Nun viele Jahre später wartet Mastermind Derek Rush mit einem neuen Longplayer auf. Unterstützt wird er hierbei von illustren Gästen wie zum Beispiel Bryin Dall (A MURDER OF ANGELS, LORETTAS DOLL).

Hatte ich jetzt eher nicht so viel erwartet, hat sich doch im Bereich Neofolk vieles totgelaufen, haut mich direkt der Opener “Counterfeit“ mit seinen hektisch nach vorne gehenden Loops um, vereint NIN-artigen Elektrorock mit Muse-artigen Gesang. Wesentlich modernere Ausrichtung als gedacht – super. Weiter geht es mit der dramatischen Ballade “End Of Memory“, welche aber völlig entstaubt im modernen, sphärisch knarzigen Elektronikgewand daherkommt. Fühlt sich an wie Shoegazersound in folkiger Slowmotion. Nach einem kurzen Industrial-Zwischenspiel kommt der nächste Überraschungstrack mit “Suspended In Fear“, ist dieser doch erneut sehr hitlastig elektronisch, fast für die Tanzfläche geschaffen. Betonung aber liegt auf fast, da Derek es schafft, gekonnt an simpler Eingängigkeit und szenetypischen Beats vorbei zu schrammen, liegt dem Soundbild von DREAM INTO DUST doch immer eine leicht verschobene Kauzigkeit inne, die vor allem durch den emotionalen hohen Gesang Dereks eine spezielle Eigenwilligkeit nie missen lässt.

Ein erneutes spookyhaftes Zwischenstück weiter folgt mit dem sechsten Track “Secondhand Daylight“ die nächste Offenbarung, schafft man hier eine große Verbeugung an die Shoegazerhelden COCTEAU TWINS bzw. SLOWDIVE, ähnelt das Gitarrenspiel auf frappierende Weise den benannten Virtuosen Robin Guthrie. Diese besondere Art melancholisch verwehter Gitarrenmusik, die sich auch viele Bands des einst so löblichen Projekt-Labels aus Amerika (siehe LOVE SPIRALS DOWNWARDS u.ä.) in den 90´s verschrieben haben. Mit Track acht “Perfect Vision“ wird die Bandbreite um ein wunderschön 80er Jahre lastiges hochmelodisches Electrowave-Stück bereichert, welches Tanzbarkeit und diese typische 80er Weltschmerzatmosphäre atmet, also schön oldschool…ähnlich den Italienern FROZEN AUTUMN in ihren besten Zeiten oder auch Postpunk-Helden wie NEW ORDER. Über ein weiteres Intermezzi kommen wir zu “Bruises Never Fade“, was den eben benannten 80er Wavepop erneut bemüht und diesen auf sehr einnehmende Weise gesanglich sehnsuchtsvoll mit dunklem Synthiesound untermalt:  ein großartiger Ohrwurm. Mit den Schlusstracks “Deaden The Pain“ sowie dem Titelsong taucht man wieder in schleppende, verschrobene Trent Reznor-like Alptraumwelten ein, paaren sich hier distortionartiger Bassound mit feiner Melodik. Durch Dereks verzweifelt emotionalen Gesang ergeben sich geisterhafte Düster-Balladen.

Schlussendlich finden sich DREAM INTO DUST mal wieder mit dieser musikalischen Bandbreite zwischen allen Stühlen – wieder, was aber gleichzeitig dadurch einen hohen Anteil am Hörvergnügen ausmacht. Ist doch trotz aller o.g. Vergleiche ein sehr individueller Ausdruck ständig präsent, die eigene Vision immer erkennbar, da der sehr spezielle Gesang und die Mischung aus Ambient, Industrial, Alternative Pop, Goth, Shoegazer und Folkelementen in ihrer Kombination so mit nichts vergleichbar sind. Als einziges Manko empfinde ich die aus meiner Sicht unnötigen Industrialstücke, die auch wenn nur kurze Zwischenintermezzi, überflüssig erscheinen und sich mit dem sonst eher melodischen Sound beißen. In jedem Fall ist dieses Werk ein zeitgenössisches Düsterpop-Album, was eine große musikalische Offenheit in sich trägt und Fans moderner Elektronik, Alternative und Folk Musik begeistern könnte.

(R.Bärs)

Format: CD
Vertrieb: SX DISTRIBUTION
Mailorder: Going Underground
 

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