NATE HALL – Interview

Als Frontmann von USX ist Nate Hall sicher kein Unbekannter. Wer mit den Arbeiten der Amerikaner vertraut ist, bleibt an ihnen haften, beziehungsweise haften die Stücke am Hörer. Eindringlichkeit und Wirkmacht dieser Songs suchen ihresgleichen. Nun erschien vor kurzem das erste Solowerk des USX-Sängers. Ein Folkalbum, bei dem sich Hall zu Größen wie Bob Dylan, Neil Young und Townes Van Zandt hinüberlehnt, im Rücken die Neurot-Familie, wissend, dass hier das Beste aus beiden Welten eins wird. Auf “A Great River“ agiert Hall in bester amerikanischer Folktradition. Ob Singer-/ Songwriter, Storyteller oder Troubadour – Nates Kompositionen fließen gleich einem rauschenden Fluss. Nicht umsonst äußert sich der Sänger,  der sich selbst als Anti-Hippie-Hippie bezeichnet, gern zu seiner Affinität zu Gewässern. Der Fluss und der Folk – dieses Brüderpaar lieferte schon oft den großen Geschichten Vorlagen. Bei Hall ergänzt sich dies um ein tiefes Misstrauen gegenüber der Gegenwart. Schwarz eingefärbt zeigt sich sein innerer Fluss, der ihm die Songideen zuspült. Sein Sich-Zurücknehmen-Können findet am besten Ausdruck in einer weiteren Selbstcharakterisierung: “Longhair guitar player on a negative trip.“ Der mitschwingende Sarkasmus liefert ein Abbild dessen, was auch in seine Stücke mitströmt, indes mündet dies nie in das Staubecken des Zynismus. Denn Hall ist kein Verneiner, seine Kompositionen bezeugen dies. Mit seinen auf das Wesentliche reduzierten Antworten begeisterte er auch im folgenden Interview.

? Vor einiger Zeit ist dein Album “A Great River“ als CD bei Neurot Recordings und als LP auf My Proud Mountain erschienen. Was weißt du über den Entstehungsprozess dieses Albums zu berichten?

Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen, seit ich das Album aufgenommen habe, deshalb kann ich bereits mit einem gewissen Abstand darauf zurückblicken. Es ist ziemlich offensichtlich, dass ich damals einige Dinge verarbeiten musste und die Arbeiten am Album haben mir dabei geholfen. Der eigentliche Aufnahmeprozess dauerte nicht sehr lang. Travis und ich benötigte dafür eine Nacht und einen Tag und dann war es vollbracht. Travis ist einer meiner Lieblingsmenschen und das Arbeiten mit ihm ist sehr einfach. Ich hatte eine gute Zeit während des Aufnehmens.

? Wie entstehen deine Songs?

Wenn ich Ideen habe, verfolge ich diese. Ich kann nichts erzwingen. Wenn Ideen und Songs zu mir kommen, lasse ich mich treiben und schaue, wo das hinführt. Ich versuche die Ideen aus meinem Kopf zu bekommen und herauszufinden, wie ich sie am besten umsetzen kann. Mir ist aufgefallen, dass mir das Songschreiben leichter fällt, wenn ich mich in Wassernähe befinde. Ich folge einfach meinem Gefühl und vertraue der Kraft, die Dinge passieren lässt.

? Hast du einen bestimmten Klang im Ohr, bevor du komponierst?

Nein, niemals. Ich komponiere auch nicht in dem Sinne, sondern ich versuche einfach herauszufinden, wie ich das spielen kann, was ich seit langem in meinem Inneren höre.

? Ist das Schreiben deiner Songs auch eine Begegnung mit deinem eigenen Ich?

Ich denke bis zu einem gewissen Grad, ja.  Mir hilft dieser Prozess, Dinge zu reflektieren. Aber die Songs handeln nicht wirklich von mir. Nach meinem Verständnis sind wir alle Teil eines großen Ganzen.

? Verfolgst du Strategien oder Taktiken, um deine Kreativität zu kanalisieren?

Ich versuche einfach offen zu bleiben.

? Hast du auf dem Album Lieblingssongs und wenn ja welche sind das?

Sie bilden eine Einheit, deshalb mag ich sie alle.

? Auf deinem Album befindet sich eine Coverversion von Townes Van Zandts “Kathleen“. Was bedeutet dir dieser Song?

Es war die Art, wie mich dieser Song berührte, was jenseits meiner eigenen Erfahrungen lag. Aber wie bereits schon gesagt, die Idee diesen Song zu spielen, kam auf natürliche Weise. Ich habe mich einfach treiben lassen.

? Wie siehst du den Poeten Townes Van Zandt? Was ist deiner Meinung nach das Faszinierende an seiner Kunst?

Ich sehe in ihm einen Menschen, der überfordert mit einer brutalen Welt war. Das erste Mal bin ich mit seiner Musik durch Willie Nelsons Cover von “Pancho And Lefty“ in Berührung gekommen. Jahre später spielten wir seine Songs häufig im Tour-Bus. Der Film “Be Here To Love Me“ vermittelt einen guten Einblick in sein Leben und in sein Erbe. Ich finde ihn als Person eher tragisch als faszinierend.

? Generell gesprochen, wann ist eine Coverversion deiner Ansicht nach gelungen?

Wenn es einem Künstler leicht fällt,  einen Song zu covern. Niemals lässt sich etwas erzwingen.

Was kannst du uns über das Artwork von “A Great River“ berichten? Wer hat es gestaltet?

Eine Freundin von mir, Stevie Floyd, mochte das Album und wollte deshalb das Artwork gestalten. Ich habe ihr freie Hand gelassen. Das Ergebnis ist ziemlich cool geworden.

Was motiviert und inspiriert dich generell?

Die wichtigsten Dinge im Leben sind: Familie, Musik, Kunst und Natur. Lebewesen.

? Welche Rolle spielen Literatur und Film? Gibt es da Einflüsse, die deine Arbeiten prägen?

Ich habe mich ausgiebig mit amerikanischer Südstaaten-Literatur beschäftigt. Autoren wie McCarthy, Faulkner, O`Conner, James Dickey, Twain sowie die Werke von Emerson und Thoreau spielen eine große Rolle für mich. Filme mag ich auch. Aber den Haupteinfluss auf meine Arbeit hat definitiv Cormac McCarthy.

? Welche Art von Musik hörst du zurzeit privat? Gibt es Künstler, deren Werk du unseren Lesern empfehlen möchtest?

Meiner Meinung nach sind CAUSTIC RESIN die großartigste und gleichzeitig am wenigsten beachtete Band der letzten 20 Jahre. Und hört alle die Alben von Bob Dylan, Neil Young und Tom Petty.

? Wie sehen deine Pläne für die nahe Zukunft aus? Wird es die Möglichkeit geben, dich in Europa live zu sehen?

Ich bin offen für die Zukunft. Ich habe noch keine Ahnung, was passieren wird, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass alles, was ich tun werde, wahrhaftig und ehrlich sein wird. Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich auf eine Solo-Tournee nach Europa kommen kann.

? Wird es bald ein neues Album von USX geben?

USX haben interessantes Material, das bald aufgenommen werden wird und ich habe bereits die Eckpfeiler für ein weiteres Album “Fear Of Falling“. Wir müssen nur die Zeit finden, um uns zu treffen – und die Stücke ausarbeiten zu können. Das Material ist ja bereits da.

? Abschließende Worte?

God bless. Good luck.

(D.L., S.L.)

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